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Rheinische Post: Kommentar: Tsipras muss nur die Nerven behalten

Düsseldorf (ots) - Noch sieht es aus wie ein Spiel der gegenseitigen Erpressungsversuche: das kleine Griechenland gegen die geballte Macht der Euro-Partner und des IWF. Doch Athen ist längst auf gutem Weg, trotz dieses ungleichen Kräfteverhältnisses den Geldgebern mehr Zugeständnisse abzuringen als sie anderen Rettungskandidaten gewährt haben. Nach dem Spitzentreffen im Kanzleramt sieht es jetzt ganz danach aus, als werde Griechenland auf jeden Fall im Euro gehalten - auch um den Preis der Regelaufweichung. Die Kanzlerin musste zwischen zwei Übeln abwägen: Schuld zu sein am Euro-Abschied Griechenlands mit allen teuren sozialen Folgen und für die Stabilität des Euro - oder "nur" Schuld daran zu sein, die von ihr selbst formulierte Doktrin "Hilfe nur gegen Gegenleistung" aufzuweichen. Dass sie sich für Letzteres entschied, ist nachvollziehbar, aber riskant. Merkel wird größte Mühe haben, ihre Lösung in den eigenen kritischen Reihen durchzubringen. Und Griechenland wird Nachahmer erzeugen. Auch das kann die Euro-Zone auf Dauer weiter destabilisieren. Der griechische Premier weiß schon lange: Griechenland wird neue Kredite bekommen, Athen muss nur bis zum Ende des Spiels die Nerven behalten.

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