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Rheinische Post: Kommentar
Die Angst vor Vielfalt = Von Lothar Schröder

Düsseldorf (ots) - Ausgerechnet die CSU! Ausgerechnet also jene Partei, die Familien vor allzu heftigen Zugriffen des Staates zu schützen sucht, will nun Zuwandererfamilien motivieren, auch daheim Deutsch zu sprechen. Zur Förderung deutscher Sprach- und allgemeiner Integrationsfähigkeit. Dass Wissenschaftler dieser steilen Pädagogik-These einstimmig widersprechen und es im gesellschaftlichen Raum an Spott nicht mangelt, hat die Christsozialen nicht davon abgehalten, gestern am Antrag festzuhalten - wenn auch in milderer Diktion. Um Integration geht es bei all dem nicht. Und vielleicht auch nur ansatzweise darum, patriotisch gestimmte Wähler am arg rechten Rand der politischen Skala versöhnlich zu stimmen. Weil in der Bitte um den Gebrauch der deutschen Sprache am heimischen Tisch Angst zum Vorschein kommt: vor dem, was man nicht kennt; vor dem, was man nicht ist; vor dem, was man nicht sein möchte. Von der Vielfalt aber - auch der Sprache - lebt die moderne Gesellschaft. Sie ist ihr Antrieb. In der Ablehnung dieser vitalen Vielfalt steckt ein bedenklicher antimodernistischer Reflex.

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