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Rheinische Post: Kommentar
Gaucks Standpauke = Von Thomas Seibert

Düsseldorf (ots) - Noch nie hat sich ein ausländischer Staatsgast in aller Öffentlichkeit so kritisch über die Zustände in der Türkei geäußert, wie Bundespräsident Joachim Gauck das gestern getan hat. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Anhänger werden ihm das nicht verzeihen. Doch einige Türken atmen auf - denn für sie sind Gaucks Worte ein Zeichen dafür, dass Erdogans Kurs im westlichen Ausland immer mehr auf Ablehnung stößt. Dabei strebte Gauck nicht nach einem Schlagabtausch, sondern nach einem offenen Dialog: So wie sich die Türkei für Ereignisse und Missstände in Deutschland interessiere - wie etwa bei den NSU-Morden an Türken -, so interessiere sich Deutschland für das, was in der Türkei geschehe. Und dann legte er los: Twitter-Verbot, Massenversetzungen bei der Polizei, Sorgen um die Gewaltenteilung - alles, was in der Türkei derzeit heiß diskutiert wird, sprach Gauck an. Es war eine öffentliche Standpauke. Aber Erdogans harte Linie der vergangenen Monate ließ einem Politiker wie Gauck auch gar keine andere Wahl, als klare Worte zu sprechen.

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