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Rheinische Post: Nützlicher Gaddafi Kommentar Von Frank Herrmann

Düsseldorf (ots) - Es gerät leicht in Vergessenheit, aber Muammar al-Gaddafi war nicht immer der Paria, mit dem sich der Westen auf keinen Fall einlassen wollte. Es ist noch nicht so lange her, da sahen ihn die Amerikaner als nützlichen Partner im "Krieg gegen den Terror" - zumindest die Riege um George W. Bush: Sie gab der CIA grünes Licht, mit den Geheimdiensten Gaddafis zu kooperieren. Gezielt wurden libysche Terrorverdächtige aus dem Ausland in ihre Heimat gebracht, obwohl man wusste, dass sich die Folterschergen dort nicht um Menschenrechte scherten. Das Kapitel erinnert an Lateinamerika, an Despoten vom Schlage Pinochets oder Somozas, denen das Weiße Haus lange die Treue hielt, obwohl sie Blut an den Händen hatten. Damals prägte die Angst vor dem Kommunismus das Denken in Washington. Nach dem 11. September 2001 wurde alles dem weltweiten Ringen mit fanatischen Islamisten untergeordnet. Und weil Gaddafi ein Feind dieses Feindes war, wurde er, wenn nicht ein Freund, zumindest ein Zweckverbündeter. Die CIA würde sie gern vergessen, diese unrühmliche Saga mit ihren zynischen Episoden. Es sieht nicht danach aus, als ob das gelingen könnte. Mit dem Aufbruch Arabiens hat die Aufarbeitung wohl erst richtig begonnen.

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