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Rheinische Post: Die Lehren des Provokateurs

Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Marin Kessler:

Die politische Klasse atmet auf. Provokateur Thilo Sarrazin verlässt freiwillig seinen Posten bei der Bundesbank. Seit über zwei Wochen bestimmt er nun die Schlagzeilen in Deutschland - nicht schlecht für einen höheren Beamten einer nachrangigen Währungsbehörde. Die Berliner Politik stürzte er mit seinen umstrittenen Ansichten zur Integrationsfähigkeit und Intelligenz von muslimischen Migranten in Verlegenheit. Sie reagierte wütend. In Teilen der Bevölkerung galt Sarrazin hingegen als Held, als einer, der auszusprechen wagte, was viele denken. In einer nüchternen Analyse sind viele Ansätze des Provokateurs bedenkenswert. Dazu zählen vor allem seine Untersuchungen zur mangelnden Bildung und Sprachkenntnis der Migranten. Im Kern seiner Analyse ist Sarrazin jedoch fehlerhaft. Denn er braucht die unbewiesene Annahme einer mangelnden Intelligenz der Zuwanderer, um sein Schreckensszenario eines überfremdeten und verdummten Deutschlands zu entwickeln. Das ist nicht seriös. Die Angriffe auf ihn hätten sich auf diesen Punkt beschränken, ihn dort gewissermaßen entlarven sollen. Zugleich hätte die Diskussion um die schweren Defizite bei der Migration neuen Schwung erhalten. Denn die ist nötig. Sie könnte aber nach dem Abtritt des Provokateurs schnell wieder einschlafen.

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