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Rheinische Post: Sarrazin überdreht Kommentar Von Martin Bewerunge

Düsseldorf (ots) - Mal sehen, ob die Schraube, an der Thilo Sarrazin so munter nach rechts dreht, die weitere Windung aushält, zu welcher der SPD-Politiker und Bundesbankvorstand jetzt ansetzt. Vom onkelhaften Tipp an Hartz-IV-Empfänger, Heizkosten mittels warmer Pullover in den Griff zu bekommen, hat er es weit gebracht - bis zu der steilen These, "alle Juden teilen ein bestimmtes Gen". Der Punkt ist nahe, an dem Sarrazin das Ganze überdreht. Einiges von dem, was der ehemalige Berliner Finanzsenator anfangs von sich gab, hatte Hand und Fuß. Es waren unbequeme Wahrheiten, pointiert formuliert und durchaus dazu angetan, sachliche Debatten anzustoßen. Auch wenn der Sozialdemokrat in seiner Zeit als Politiker nicht sonderlich durch Integrations-Förderung auffiel, so mischte er später mit seiner forschen Art den politisch korrekten Polit-Betrieb doch umso publikumswirksamer auf. Jetzt geht es Sarrazin nur noch um die Provokation. Seine Einlassungen haben an Präzision verloren. Sie stecken stattdessen voller Andeutungen und Anspielungen, die der Verfasser als "aus dem Zusammenhang gerissen" bezeichnen wird, wann immer sie ihm zum Vorwurf gemacht werden. Was bleibt, ist billiger Populismus. Mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" schafft sich Thilo Sarrazin deshalb am Ende vielleicht selbst ab.

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