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Rheinische Post: Kommentar: Das Ausmaß der Katastrophe

Düsseldorf (ots) - Am Tag zwei nach der schrecklichen Massenpanik in Duisburg wurden die Umrisse der Katastrophe und ihre Vermeidbarkeit immer deutlicher. Die Verantwortlichen der Stadt - Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der amtierende Polizeipräsident Detlef von Schmeling, Veranstalter Rainer Schaller und Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe - werden sich bohrenden Fragen stellen müssen. Es wird dann nicht ausreichen, die Schuld ständig bei anderen zu suchen, nur nicht bei sich selbst angesichts der ebenso dilettantischen wie verantwortungslosen Vorbereitung des Millionen-Spektakels. Verräterisch ist bereits die Aussage Sauerlands im Vorfeld des Festivals, dass die Loveparade sterben würde, wenn Duisburg sie nicht austragen würde. Ist das der zentrale Beweggrund? Warum verwirft dann die Stadt ein Sicherheitskonzept, das zwar teurer ist, aber bei der Zahl der eingesetzten Ordnungskräfte wenigstens in die Größenordnung der Vorgängerveranstaltung in Dortmund kommt. Dort waren bekanntlich weniger Besucher als in Duisburg. Zu klären ist auch die umstrittene Genehmigung laxerer Sicherheitsbestimmungen durch die Duisburger Bauaufsicht. Warum durften die Veranstalter die Fluchtwege verengen und mussten keine Feuerwehrpläne vorlegen, die sonst bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung üblich sind? Warum wurden alle Sicherheitsbedenken gegen den Ort des Festivals - einen eng begrenzten, stillgelegten Güterbahnhof - so hastig beiseite gewischt? Galten die Mahner als lästige Bedenkenträger, die der Stadt nicht den "Welthit" Loveparade gönnten? Öffentlich wurde im Vorfeld der Veranstaltung nur um die Finanzierung gerungen. Von Einwänden gegen das Sicherheitskonzept war hingegen nie die Rede. Dass Feuerwehr und Teile der Polizei - wie inzwischen bekannt ist - Mängel beim Namen nannten, wurde einfach ignoriert. Warum gehen die Verantwortlichen noch nicht einmal jetzt darauf ein? Der Veranstalter, ein erfolgreicher Würzburger Betreiber von Fitnessstudios, nutzte die Loveparade als riesige Werbeveranstaltung für seine schnell expandierende Kette. Das ist legitim. Doch auch er muss sich fragen lassen, ob er mit falschen Angaben zur Teilnehmerzahl die Kosten für die Sicherheit künstlich niedrig halten wollte und dafür sogar Gefährdungen der Besucher in Kauf nahm. Allein die Tatsache, dass die Millionenveranstaltung mit lächerlichen 7,5 Millionen Euro versichert war (das entspricht der Haftungssumme eines Pkw), spricht für die Sparvariante bei der Sicherheit. Die Wut und die Trauer über die mittlerweile 20 Toten und unzähligen Verletzten sind groß. Die Verantwortlichen sind bislang eine befriedigende Antwort für die Ursache der Katastrophe schuldig geblieben. Auch wenn es die Toten nicht mehr lebendig macht: Bleibt die Antwort aus, müssen die Verantwortlichen persönliche Konsequenzen ziehen.

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