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Rheinische Post: Herzkrank, tapfer Kommentar Von Reinhold Michels

Düsseldorf (ots) - Es wäre eine Verdrehung, wenn nicht eine Pervertierung des schrecklichen Geschehens am Münchner S-Bahnhof vor zehn Monaten, wenn der couragierte Helfer Dominik Brunner posthum zum Streit suchenden Anzugträger mit Boxer-Ausbildung und einem kardiologischen Problem umgedeutet würde. Den Strafverteidigern der beiden angeklagten Bürschchen kann man es nicht verdenken, dass sie dem zu Tode gekommenen Brunner den Lorbeer des hehren Nothelfers entreißen möchten. Es ist Strafverteidiger-Pflicht, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft auf Schwachstellen zu prüfen. Die Anklageschrift mit dem Vorwurf des Mordes ist leider nicht über Zweifel erhaben. Das Verhalten der Staatsanwaltschaft, insbesondere das Verschweigen des Obduktions-Hauptbefundes Herzanomalie und Herzstillstand, ist unbegreiflich und für die Verteidigung wie ein Geschenk des Himmels. Es könnte passieren, dass das Gericht (in dubio pro reo) am Ende zu dem Urteil kommt: Die Tritte und Schläge gegen Brunner seien weder Mord, noch Totschlag, seien vielmehr als gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge zu werten - Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Das sollte aber nichts an unserem Urteil ändern, Brunner sei ein tapferer Mann gewesen.

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