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Rheinische Post: Die Zeit nach "New Labour"

Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Matthias Beermann:

Die Briten haben ein neues Unterhaus gewählt, und schon lange nicht mehr war ein Urnengang auf der Insel so spannend. Bis zuletzt sagten die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Labour und Konservativen voraus sowie überraschend starke Werte für die sonst gerne als politisch belanglos belächelten Liberaldemokraten. Dahinter steckte die Unentschlossenheit der Wähler, man könnte aber auch sagen: ihre Verdrossenheit. Denn um das Ansehen der Politik steht es auch in Großbritannien nicht zum Besten. Trotz der sehr durchwachsenen Regierungsbilanz von Labour-Premier Gordon Brown und nach 13 Jahren Labour-Herrschaft wollte keine eindeutige Wechsel-Dynamik zugunsten der Tories aufkommen. Vor allem wohl, weil auch deren Chef David Cameron eine überzeugende Antwort auf die Frage schuldig blieb, wie er das Land aus der tiefen ökonomischen Krise führen will. Aber das Misstrauen geht noch tiefer. Seit dem Skandal um das schamlose Spesenrittertum zahlreicher Abgeordneter ist das bereits sehr geringe Vertrauen vieler Briten in die Fähigkeit ihrer Volksvertreter endgültig verschwunden. Eine traurige Bilanz am Ende einer Ära, die 1997 mit dem Wahlsieg von Tony Blair und "New Labour" begonnen hatte. Damals herrschte euphorische Aufbruchstimmung auf der Insel. Gestern ging es nur um das geringere Übel.

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