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Rheinische Post: Unsere Welt im Schneegestöber Kommentar Von Lothar Schröder

Düsseldorf (ots) - Zum Schnee haben alle eine Meinung: die alte Frau, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann und den Flockentanz vom Fenster aus beschaut; das glückliche Kind auf dem Schlitten und der fluchende Berufsfahrer. Wir alle sind tatsächlich irgendwie betroffen und berührt, und wem die jüngste Klimakonferenz auch nur halbwegs erinnerlich ist, wird die Schneemassen für ein absurdes Missverständnis der Natur halten. Man braucht jetzt viel Phantasie, um an die Erderwärmung zu glauben. Lügt also der viele Schnee? Wir leben in keiner heilen, so unschuldig weißen Glitzerwelt. Doch nach all den abstrakten Weltmodellen, nach den vielen großen und kleinen und sicherlich meist sehr klugen Worten über die Zukunft unserer Erde wird Wetter für uns plötzlich konkret. Wir müssen vor der Haustüre kehren - mit Schaufel, schwerem Atem, frostigen Händen. Termine sind nicht mehr einzuhalten. Und wir erleben, wie die mobile Gesellschaft einen Gang zurückschaltet und kurzzeitig zu einer betulichen wird. So erteilt uns die merkwürdige Schneeflöckchen-Idylle daheim - die so nur für den Reisekatalog vorgesehen ist - ein bisschen Nachhilfe: Darin, dass nicht jeder Knopfdruck sein Versprechen auf Sofortlösung hält. All diese abstrus einfachen, aber wesentlichen Erfahrungen sind die tiefsten Spuren, die der Schnee hinterlassen wird. Pressekontakt: Rheinische Post Redaktion Telefon: (0211) 505-2303 Original-Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell

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