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Rheinische Post: Drama Afghanistan Kommentar Von Martin Kessler

    Düsseldorf (ots) - Das Bergland Afghanistan hat in der Weltgeschichte oft eine entscheidende Rolle gespielt. Wer die Pässe dort kontrollierte, hatte freie Bahn nach Indien und in den Iran. Deshalb war das Land für Türken, Mongolen, Briten, Russen und jetzt die Nato von eminenter Bedeutung. Eine eigenständige Entwicklung des Landes hatte es unter diesen Bedingungen immer schwer. Im Schatten der Großmächte kann sich keine Nation entfalten. Das hat die Nato bei ihrem völkerrechtlich einwandfreien Kriegseinsatz nicht ausreichend beachtet. Zu sehr drängte der Anti-Terror-Kampf in den Vordergrund. Die Befriedung und der Aufbau des Landes konnte so nicht gelingen. Jetzt stehen die USA und ihre Verbündeten, darunter gerade auch die Deutschen, vor einem Scherbenhaufen. Sie unterstützen, ob gewollt oder nicht, ein korruptes System, das gegen die Armut genauso wenig vorgeht wie die Taliban-Regierung. Die einstigen Kriegsherren im Norden, die sich jetzt Provinzgouverneure nennen, unterdrücken ihr Volk nicht minder und verdienen prächtig am Drogenanbau. Die Nato kann Afghanistan nicht einfach verlassen. Aber sie muss dringend eine Ausstiegs-Strategie entwickeln, um das völlige Chaos zu verhindern.

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