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Rheinische Post: Libyen am Pranger Von Godehard Uhlemann

    Düsseldorf (ots) - Darf man einen Menschen jubelnd feiern, der wegen des Todes von 270 Menschen in Haft sitzt und aufgrund einer humanitären Geste freigelassen wurde? Man kann diesen "Helden"-Empfang inszenieren, doch das ist schäbig. Er ist ein Schlag gegen jeglichen Anstand und gegen die Gefühle der Hinterbliebenen. Er wirft einen grelles Licht auf die moralische Qualität derer, die sich als Regisseure eines solchen Schauspiels hergeben. Schottland hat einen der Lockerbie-Attentäter aus dem Gefängnis entlassen, weil er an Krebs leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Dieser Gnadenakt ist mit Hochachtung zu würdigen und nicht mit Hohn zu garnieren. Der Lockerbie-Attentäter war nie ein Held. Der Anschlag auf die Pan-Am-Maschine 1988 über dem schottischen Lockerbie war hinterhältig. Libyen stand hinter der Tat, und es hat lange gedauert, bis sich das Regime von Revolutionsführer Gaddafi dazu bekannte, die Täter auslieferte und Entschädigung zahlte. Dies alles war Voraussetzung für die Normalisierung der Beziehungen zum Westen. Der will Libyens Öl und Gas. Libyen braucht westliche Investitionen. War die westliche Handreichung nach Tripolis verfrüht, war sie gar falsch? Nach dem "Helden"-Empfang lautet die Antwort: ja.

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