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Weser-Kurier: Über Erdogan schreibt Frank Nordhausen:

Bremen (ots) - Wie sich doch die Zeiten ändern. Kaum ist in Deutschland Wahlkampf, verschärft sich der Ton aus Berlin gegenüber dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auf einmal kann die Politik klare Ansagen machen, die sie bisher ängstlich vermied, um den Despoten aus Ankara nicht zu provozieren - er könnte ja den Flüchtlingsdeal platzen lassen. Die befremdliche Haltung offenbart eine taktische Schwäche. Denn Erdogan zelebriert seine Situation genussvoll. Ob er reden darf oder nicht, er gewinnt immer. Falls ja, ist er der Held, falls nein, das Opfer deutscher "Faschisten". So wie er das deutsche Zaudern für seinen Referendumswahlkampf benutzte, benutzt er jetzt den deutschen Wahlkampf für seine innenpolitische Imagepflege. Warum? Weil deutsche Politiker sich benutzen lassen. Weil sie es nicht wagten, Position zu beziehen und notfalls auch zu handeln. Jetzt erscheinen Auftrittsverbote wohlfeil und bringen Wählerstimmen. Will die Regierung wirklich Haltung zeigen, könnte sie Erdogan zum Beispiel klarmachen, dass es keine Erweiterung der Zollunion mit der EU gibt, solange demokratische Standards in der Türkei verletzt werden und mehr als 160 Journalisten inhaftiert sind.

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