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Weser-Kurier: Über Sigmar Gabriel und das Tengelmann-Drama schreibt Norbert Holst:

Bremen (ots) - Die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann ist wohl kaum noch zu stoppen. Das ist bitter für die 15000 Beschäftigten der Discounter-Kette, die nun um ihren Job fürchten müssen. Sie hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor Augen, als er seine umstrittene Ministererlaubnis für den Deal zwischen Tengelmann und Edeka gab. Die wurde dann vom Oberlandesgericht Düsseldorf kassiert, der Minister war bis auf die Knochen blamiert. Die Richter stuften Gabriel sogar als "befangen" ein. Angesichts seiner unrühmlichen Rolle in dem Tengelmann-Drama dürfte der Sozialdemokrat nur wenig Lust verspüren, eine offizielle Schlichterrolle in dem Streit zu übernehmen. Auch mit Gabriels viel zitiertem "Gemeinwohl", das ihn nach eigener Aussage zur Ministererlaubnis bewogen hatte, ist das so eine Sache. Wäre Branchenprimus Edeka wie geplant zum Zuge gekommen, hätte das zwar zunächst die Jobs bei Kaiser's Tengelmann gerettet. Aber die Fusion wäre zu Lasten des Konkurrenten Rewe gegangen - was am Ende vermutlich auch Arbeitsplätze gekostet hätte. So aber hat die Ministererlaubnis dazu geführt, dass Rewe und andere Konkurrenten vor Gericht zogen. Nun ist die Lage komplett verfahren. Es wäre besser gewesen, Gabriel hätte nie eingegriffen. Er hätte aus dem Fehler eines SPD-Kanzlers lernen können. Gerhard Schröder ließ sich Ende 1999 feiern, als er den Baukonzern Philipp Holzmann vor der Pleite rettete. Zwei Jahre später ging das Unternehmen trotzdem in die Knie. So bitter es für die Beschäftigten ist: Es gibt nun einmal Gründe dafür, dass Kaiser's Tengelmann ein Sanierungsfall geworden ist.

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