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Weser-Kurier: Über die Terrorfahrt von Nizza schreibt Moritz Döbler:

Bremen (ots) - Wie will sich eine freie Gesellschaft vor solchen Taten schützen? Wie soll sie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit leben, wenn sie nicht auch Sicherheit gewährleisten kann? Denn die Amokfahrt eines einzelnen Mannes lässt sich kaum antizipieren. Man weiß über den Attentäter von Nizza wenig, ein Franzose tunesischer Abstammung. Dass er es am Nationalfeiertag offensichtlich auf fröhlich feiernde Menschen abgesehen hatte, legt eine islamistische Motivation nahe. Aber der französische Staatsschutz hatte ihn nicht auf dem Radar, er galt als Kleinkrimineller. Ein Mitglied einer organisierten Terrorgruppe war er wohl nicht. Was man hingegen sicher über ihn weiß, ist: Er war ein junger Mann, 31 Jahre alt. Und er muss unfassbar wütend und kaltblütig gewesen sein, um diese Tat zu begehen. Das eint ihn mit anderen Amoktätern. Gerade erst hat der ehemalige Soldat Micah Johnson in Dallas fünf Polizisten erschossen. Die Polizeigewalt gegen Schwarze soll ihn angetrieben haben, aber dieses Thema war bis dahin in seinem Lebenslauf wenig präsent, dafür sind Vorwürfe sexueller Belästigung und seine Waffenmanie dokumentiert. Er war 25. Oder Andreas Lubitz, der vor einem Jahr als Ko-Pilot eines Airbus alle 149 Insassen in den französischen Alpen absichtlich in den Tod riss. Über das Motiv des 28-Jährigen wurde gemutmaßt, er habe befürchtet, seine Pilotenlizenz zu verlieren, beweisen lässt sich das nicht. Aber es war die Tat einen einzelnen jungen Mannes, der den Tod einer großen Zahl von Menschen kaltblütig herbeigeführt hat - so viel wissen wir schon. Die drei jungen Männer handelten allein. Einer ließ sich möglicherweise inspirieren von Aufrufen der islamistischen Terrorgruppe Daesch, der zweite von der radikalen Schwarzenbewegung in den USA, und der dritte scheint ohne übergeordnetes Motiv gehandelt zu haben. Das Bestürzende ist: Solche jungen Männer, die ohne Perspektive und ohne Empathie sind, in denen es brodelt, die nach Geltung streben und sich verführen lassen, gibt es überall.

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