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Weser-Kurier: Leitartikel von Joerg Helge Wagner über die AfD

Bremen (ots) - Sie meint es ernst: Die AfD will jetzt als richtige Partei wahrgenommen werden, nicht bloß als der politische Arm von Pegida. Ihr Programmentwurf bietet gleichermaßen marktradikale wie christlich-fundamentalistische Elemente. Man will in der Sozialpolitik einerseits hinter Bismarcks Reformen zurück, andererseits Elternschaft noch mehr fördern als bisher. Wenig Staat, aber den bitte mit viel mehr Polizei. Hat man alles irgendwann schon mal gehört von Schill oder Schönhuber oder sonst wem, der kurz populär und dann schnell vergessen war. Und wenn sich die AfD am Ende doch etabliert, so wie die anfangs belächelten Grünen? Dazu müsste sie sich erst einmal von ihren radikalsten Vertretern befreien - so wie die Grünen Anfang der 90er-Jahre die Corona Dithfurth, Ebermann, Trampert & Co. hinausgedrängt haben. Dadurch würde sich die Anhängerschaft der AfD verändern: mehr gestandene Facharbeiter und Akademiker, weniger junge Arbeitslose, dafür wohl auch mehr Frauen. Die folgende schleichende Liberalisierung könnte die AfD am Ende anschlussfähig für andere demokratische Parteien machen - bundesweit. Schlimm bis tödlich wäre das nur für die CSU. Statt eines "Einmarschs" der CDU in Bayern, den Kohl einst Strauß androhte, käme hier eine viel härtere Konkurrenz auf sie zu. Und? Wäre ein Dahinscheiden der CSU wirklich ein Verlust? Sicher nicht, denn bislang hat sie noch in jeder Koalition mehr Unfrieden als Sinn gestiftet. So gibt es gleich zwei positive Szenarien und damit allen Grund, der AfD gelassen zu begegnen. Entweder zerlegt und entzaubert sie sich selbst - wie vor ihr schon die "Republikaner", die "Rechtsstaatliche Offensive" oder auch die "Piraten". Dann machen ihre Anhänger eben wieder woanders bzw. nirgendwo ihr Kreuzchen und die AfD wird quasi vom Parteiensystem ausgeschieden. Oder das System absorbiert sie - was es ja nicht nur bei den Grünen, sondern sogar bei der SED/PDS/WASG/Linke geschafft hat. Lieb' Vaterland, magst ruhig sein - der Dax steht nach dem ach so irren "Super-Sunday" ungerührt über 10.000 Punkten und die nächste Kanzlerin heißt sicher nicht Petry.

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