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Weser-Kurier: Kommentar von Marc Hagedorn über Fußball und Fernsehen

Bremen (ots) - Das waren Zeiten: Etwas mehr als 600000 D-Mark zahlte das Fernsehen in den Anfangsjahren an die Bundesliga-Klubs, um aus den Stadien übertragen zu dürfen. Das war in den 60er-Jahren. Im Jahr 2016 träumen die Bundesliga-Macher davon, bei den Erlösen die Milliarden-Marke zu knacken. Heute kann der Fan jedes Spiel live sehen, wenn er denn bereit ist, dafür zu zahlen. Und immer mehr Menschen sind das offenbar. Fußball in Deutschland boomt wie nie zuvor. Trotzdem blicken die hiesigen Vereine neidisch nach England, dort verdienen die Profiklubs noch mehr: fast das Dreifache. Es ist verständlich, dass die Klubs hierzulande so viel wie möglich herausholen möchten. Trotzdem muss der Profifußball aufpassen, dass er sich nicht komplett ans Fernsehen verkauft. Der Grat ist schmal. Die Sprache hat das längst entlarvt: Die Fans heißen Kunden, die Liga ist ein Produkt. Und das, was die Bosse für eine Produktoptimierung halten, geht weiter: Es soll künftig auch am Sonntagmittag und am Montagabend gespielt werden. Ein Bundesliga-Spieltag würde dann vier Tage lang dauern. Das wäre zwar immer noch besser als in Spanien, wo die zehn Erstligaspiele zu zehn verschiedenen Zeiten stattfinden. Aber die Fußball-Bundesliga bezieht seit Jahrzehnten ihren Reiz auch daraus, dass es sonnabends die Konferenzschaltung gibt, und dass spätestens am frühen Sonntagabend ein Spieltag abgeschlossen ist. Das wird es nicht mehr geben, wenn es nur noch darum geht, immer mehr Millionen aus diesem Sport herauszuquetschen. Am Ende stünde ein Verlust an Fußball-Kultur.

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