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Weser-Kurier: Über Altersschätzung von Flüchtlingen schreibt Silke Hellwig:

Bremen (ots) - Die Sache ist heikel: Es kann nicht angehen, dass sich deutsche Behörden hinters Licht führen lassen müssen, damit sich Flüchtlinge Vorteile erschleichen, die ihnen nicht zugedacht sind. Es kann aber auch nicht sein, dass junge Flüchtlinge unter Generalverdacht stehen und Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen, die zu grob sind, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Der eigentliche Skandal ist indes, dass sich die Bundesregierung vor einer eindeutigen Regelung drückt. Sie lässt die Bundesländer nach Gusto verfahren und schiebt Medizinern, Sozialarbeitern und Richtern die Verantwortung zu. Dabei ist die Altersdiagnose unter humanitären Gesichtspunkten ohnehin fragwürdig: Die deutsche Jugendhilfe hat nicht von ungefähr in den 80er-Jahren ihre Definition von Ausgewachsensein erweitert. Seither enden Hilfen nicht schlagartig mit dem 18. Geburtstag, sondern werden, wo nötig, fortgeführt. Man sollte meinen, dass das gerade bei Flüchtlingen der Fall sein kann. Es wäre eine angenehme Vorstellung, wenn sogenannte Erstgespräche vorrangig dazu da wären, Entwicklungsperspektiven auszuloten statt - Verhören gleich - womöglich Lügen aufzudecken.

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