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Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zu Flüchtlingsunterkünften in Bremen

Bremen (ots) - Schön wäre, wenn Anja Stahmann nicht Sozialsenatorin wäre, sondern Fee. Sie würde den Zauberstab zücken und binnen Minuten neue, helle und großzügige Flüchtlingsunterkünfte aus dem Boden sprießen lassen. Ist sie aber nicht, kann sie aber nicht. Obwohl sie es sich selbst wünschen mag, das kann man ihr wohl glauben. Dass sie keine Fee ist, muss die Senatorin nicht eigens betonen, wie weit entfernt sie davon ist, dagegen schon: Das Ressort hat die Lage nicht mehr im Griff. Punktum. Das muss endlich ausgesprochen werden, auch damit die Ansprüche und Erwartungen nicht in den Himmel wachsen. Zugegebenermaßen braucht es nicht viel, um der Situation nicht gewachsen zu sein: Bremen wurde - wie beinahe alle anderen Großstädte - von dem steten Flüchtlingsstrom und seinem Ausmaß überrascht. Die Kapazitäten sind erschöpft, wer eine Messehalle und Zelte für die Unterbringung nutzt, weiß offensichtlich weder ein noch aus. Dass die Lebensumstände in Not- und Massenunterkünften meistens jämmerlich sind, steht außer Frage. Die raue Wirklichkeit ist, dass es momentan offensichtlich keine bessere Lösung gibt. Wer eine weiß, sollte sich schleunigst melden. Bei aller Geduld für die schwierige Situation gibt es allerdings Grenzen: Dass hygienische Standards nicht eingehalten werden, berührt sie durchaus. Flüchtlinge in Zelten, Flüchtlinge mit Krätze - Skandal! Ja, das ist skandalös. Doch wer hier Skandal ruft, muss es in die richtigen Ohren schreien: in die vom syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder die der IS-Krieger im Irak. Dass Bremen der Lage nicht Herr wird, ist nicht der Senatorin höchstpersönlich anzukreiden. Vorzuwerfen ist ihr dagegen, mit der Wahrheit nur scheibchenweise herauszurücken. Dass eine Situation schöner wird, dadurch dass man sie schönerredet als sie ist, gelingt eben nur Feen. Und Anja Stahmann - siehe oben.

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