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Weser-Kurier: Kommentar von Moritz Döbler zum Suizid des Bremer Sportamtsleiters Michael Wiatrek

Bremen (ots) - Es gibt Momente im Redaktionsalltag, die lassen einen innehalten. Erst die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft gegen Michael Wiatrek, den allseits geschätzten Leiter des Bremer Sportamts, ermittelt. Es geht um Kinderpornografie, es gibt konkrete Verdachtsmomente. Wenig später meldet sich ein Kollege: Michael Wiatrek hat sich umgebracht. Es war noch keine einzige Zeile geschrieben, und doch darf man annehmen, dass der Suizid des Beamten möglicherweise auch etwas damit zu tun hatte, wie er sich die Reaktion der Öffentlichkeit auf seinen Fall vorstellte. Es bleiben viele Fragen zurück - eine davon ist: Hätten wir, die Medien, uns in seinem Fall richtig verhalten? Hätten wir eine Vorverurteilung vermieden? Oder hätten wir uns gegenseitig hochgeschaukelt? Die Frage steht im Raum, beantworten lässt sie sich nicht. Aber so unerbittlich, wie wir Journalisten sind und sein müssen im Umgang mit den Mächtigen, so sehr dürfen wir auch Menschlichkeit nicht vermissen lassen. Wir dürfen innehalten, müssen es vielleicht sogar. Am Ende zählt aber das Leid der Kinder, die zu Pornoaufnahmen gezwungen werden, mehr als alle Pietät.

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