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Weser-Kurier: Kommentar von Norbert Holst zur Ukraine-Krise

Bremen (ots) - Der Blitz-Besuch von Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und Kanzlerin Angela Merkel in Moskau unterstreicht, wie dramatisch sich die Ukraine-Krise entwickelt hat. Aus einem regionalen Konflikt ist ein unkalkulierbarer Brandherd geworden, der Russland und den Westen immer weiter entzweit. Es bestätigt sich eine alte Lehre: Haben Waffen das Sagen, entwickeln Konflikte eine gefährliche Eigendynamik. Verbale Aufrüstung hat diese Entwicklung begünstigt. Hardliner in Kiew und die prorussischen Separatisten lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig als Terroristen beziehungsweise Faschisten zu verunglimpfen. Die Nato kündigt eine massive Aufrüstung in Osteuropa an, die USA drohen mit Waffenlieferungen in die Ukraine. Kremlchef Putin lässt seine Propaganda-Maschinerie ohnehin seit Monaten auf Hochtouren laufen. Zeit für verbale Abrüstung. So wie Merkel und Hollande mit ihrer Vermittlungsoffensive versuchen, einen Weg aus dem Schlamassel zu finden und Brücken zu bauen. Das Minsker Abkommen zu reanimieren ist kein schlechter Ansatz. Demarkationslinie, Abzug schwerer Waffen und neutrale Überwachung könnten eine Atempause verschaffen, um den Konflikt doch noch mit diplomatischen Mitteln zu lösen - oder zumindest zu entschärfen. Klappen kann das aber nur, wenn Putin auf die Kämpfer im Donbass einwirkt - und der Westen auf Hardliner in der ukrainischen Regierung. Die böse Alternative wäre wohl der "totale Krieg", vor dem Hollande warnt. So oder so. Die Ukraine wird am Ende dieses Konflikts ein gespaltenes Land sein. Es geht jetzt um die Vermeidung weiteren Blutvergießens und humanitäre Hilfe für die geschundene Zivilbevölkerung. Die Initiative von Merkel und Hollande ist besser als jedes Säbelrasseln - und nach dem Verlauf des Gesprächs am Freitagabend zumindest ein kleiner Keim der Hoffnung. Sollten sie allerdings mit ihrer Mission scheitern, dann ist vermutlich die letzte Chance für eine nicht-militärische Lösung dieser Krise dahin.

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