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Weser-Kurier: Über den Umgang mit Flüchtlingen in Bremen schreibt Ralf Michel:

Bremen (ots) - Dieser Tage ist viel von Willkommenskultur zu hören, davon, dass Bremen sich als bunte, weltoffene Stadt versteht und dafür auch etwas tut. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Jugendliche Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Bremen gekommen sind, werden in einem Hotel untergebracht, in dem Zustände herrschen, für die die Polizei nur ein Wort hat: unzumutbar. Sicher, auf der Stadt lastet ein ungeheurer Druck. Die Zahl der Flüchtlinge, die in Bremen Schutz suchen, reißt nicht ab. Und vor allem die hohe Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bereitet Probleme. Wenn die Sozialbehörde sagt, dass es bei deren Unterbringung nicht mehr um Jugendhilfestandards geht, sondern nur noch um ein Dach über den Kopf, ist das kein böser Wille, sondern Ausdruck bitterer Realität. Doch das entschuldigt nicht das Verhalten der Behörden bei der Unterbringung von Obdachlosen und Flüchtlingen im Hotel Europa. Denn während der Polizei ein einziger Besuch in dem Haus reichte, um festzustellen, dass dort eklatant gegen Brandschutzbestimmungen und Hygienevorschriften verstoßen wird, wird in Bremens Amtsstuben Schwarzer Peter gespielt: Die Sozialbehörde schiebt die Verantwortung rüber zur Baubehörde, weil von dort ja schließlich die Betriebserlaubnis kam. Aber wir sind doch nicht für die Flüchtlingsbetreuung zuständig, schallt es postwendend zurück. Nur bei der Frage nach den hygienischen Verhältnissen in dem Hotel, da sind sich beide Ressorts einig: Nicht unsere Sache, dafür ist die Gesundheitsbehörde zuständig. Bürgermeister Jens Böhrnsen hat mit dem Bündnis "Bremen tut was" ein richtiges Signal gesetzt. Verbunden war die Demonstration am Montag mit dem Versprechen, es nicht bei Worten zu lassen. Das Wegducken vor der Verantwortung bei der Unterbringung jugendlicher Flüchtlinge zu beenden, wäre dafür ein guter Ansatzpunkt.

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