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Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zum Bremer Bündnis

Bremen (ots) - Es wäre schon frech, der Kundgebung ehrenwerte Absichten abzusprechen. Es mag etwas länger gedauert haben als andernorts, sich in Massen zu versammeln, es mag eine Initiative des Bürgermeisters und nicht einer Gruppe von Bürgern sein. Na und? Die Kundgebung war dazu da, Position zu beziehen und eine Art von Selbstverständnis zu bekräftigen. Dennoch tat Jens Böhrnsen gut daran, auf eine Rede zu verzichten. Ob gewollt oder ungewollt - wenige Monate vor der Wahl grassiert unter den politischen Akteuren bereits eine Art nervöses Fieber, mit dem jedes politische Räuspern als Eigenwerbung aufgefasst wird. Und es wäre naiv anzunehmen, dass man einen solch herausragenden Auftritt als Bürgermeister sauber von anderen Auftritten als SPD-Spitzenkandidat hätte trennen können. Bekanntlich soll die Oder-Flut Gerhard Schröder zum Wahlsieg verholfen haben, ohne dass er dort Wahlkampfreden hielt. Nur: Dafür kann Böhrnsen nichts. Berechtigt sind hingegen die Sorgen, ob mit dem Bremer Bündnis tatsächlich mehr gelingt als eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung und Absichtserklärung. Selbst wenn die Kundgebung für sich selbst stehen darf als Selbstvergewisserung, vielleicht gar als eine Art Ventil, um Ohnmachtsgefühle zu überwinden - für den selbst formulierten Anspruch reicht das nicht. Die Bekräftigung eines bereits von der großen Mehrheit der Bremer getragenen Konsenses - aus aktuellem Anlass - kann zwar nicht schaden, hat jedoch wenig Einfluss auf die eigentliche und ungleich schwerere Aufgabe: Die Bürger für das Bündnis zu gewinnen, die gestern nicht dabei waren, nicht persönlich und auch nicht gedanklich. Dass das gelingen kann, dafür gibt es in Bremen eine Reihe guter Beispiele - doch "Bremen tut was" kann keine Zustandsbeschreibung, sondern muss ein Versprechen sein: nicht was, schon gar nicht irgendwas, sondern mehr zu tun.

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