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Weser-Kurier: Zum Thema Landflucht schreibt Alexander Pitz:

Bremen (ots) - Neu ist das Phänomen Landflucht nicht. Es beschäftigt die Politik seit Jahren. Dennoch ist es nicht gelungen, die besorgniserregenden Auflösungstendenzen in vielen ländlichen Gemeinden wenigstens zu bremsen. Umso beschämender sind nun die Ergebnisse der neuen Studie des Berlin-Instituts. Einerseits zeigt die Untersuchung, dass es genug Bürgermeister, Behörden, Ärzte, engagierte Bürger, Vereine, Unternehmen und Organisationen gibt, die Ideen entwickeln, um das Leben im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Andererseits wird deutlich, dass sie allzu oft an unnötigen bürokratischen Hemmnissen scheitern. Beispiele gefällig? Eine Erzieherin aus der Uckermark gründet eine private Übernachtungskita für die Kinder von Schichtarbeitern, doch das Jugendamt gewährt trotz großer Nachfrage in der Industriestadt Schwedt keine Unterstützung. Begründung: Es gebe genügend Einrichtungen mit "Regelangebot", also mit Betreuung tagsüber. Eine lokale Aktionsgruppe will in einem Brandenburger Dörflein wegen fehlender Verkehrsanbindung einen Bürgerbus betreiben. Doch das ÖPNV-Monopol liegt in den Händen der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft, die Konkurrenz fürchtet. Fälle wie diese sind ein Beleg dafür, wie ungeeignet viele verkrustete Normen und Vorschriften für Regionen sind, die sich dringend erneuern müssen. Die deutsche Bürokratie erweist sich beim demografischen Wandel einmal mehr als Ideenbremse. Ohne den Mut, Neues auszuprobieren und notfalls auch Grenzen unsinniger Gesetze großzügig auszulegen, lassen sich innovative Konzepte gegen die Landflucht nicht verwirklichen. In einigen Bundesländern hat man das begriffen. Mecklenburg-Vorpommern etwa versucht, mit einem Standarderprobungsgesetz mehr Flexibilität zu schaffen. Andere sollten dem Beispiel zügig folgen, damit pfiffige Bürger den Freiraum bekommen, den sie brauchen.

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