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Weser-Kurier: Kommentar von Hendrik Werner zur Bewerbung Dresdens als Europäische Kulturhauptstadt

Bremen (ots) - Das hat das in der Vergangenheit vielfach geschundene und gegenwärtig oftmals geschmähte Dresden wahrlich nicht verdient: Seine gestern von der Stadtverwaltung präzisierte Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 steht unter einem denkbar schlechten Stern: Zwar schwärmt Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die sächsische Landeshauptstadt - mit ihrer kulturellen Vergangenheit und ihrer ökonomischen Entwicklung nach dem Ende des real versagenden Sozialismus - sei "ein würdiger Vertreter Deutschlands". Doch stehen ihre Hymnen an das prunkvolle Elbflorenz und den prosperierenden Wirtschaftsstandort im Schatten mehrerer Widrigkeiten, die eine Bewerbung um den ehrenwerten wie einträglichen Titel beschädigen, ja unterlaufen. Da ist zum einen ein Malus namens Pegida. Wenn immer wieder montags Abertausende von Bürgern gegen Zuwanderung protestieren, verträgt sich das nicht mit dem Nimbus einer weltoffenen Metropole, als die sich Dresden präsentieren will. Da hilft es auch nichts, dass die Herrin des Rathauses die bereits seit geraumer Zeit geplante Bewerbungsinitiative plötzlich zum aufrüttelnden Signal umdeuten will. Und da ist zum anderen die Farce um den Bau einer zusätzlichen Elbquerung: Der Streit um die 1997 beschlossene, 2013 fertiggestellte Waldschlösschenbrücke kostete das Dresdner Elbtal den Weltkulturerbe-Titel. Wohlgemerkt zugunsten einer Route, die es den Autofahrern erlaubt, die Stadt schnell hinter sich zu lassen. Schon bei Aberkennung des Unesco-Protektorats höhnten Kritiker, Dresdens Administration setze sich aus Kulturbanausen zusammen. Die ausgerechnet in der Hoch-Zeit der fremdenfeindlichen Pegida-Kundgebungen formulierte Konkretion der Kulturhauptstadt-Ambitionen arbeitet diesem Urteil zu. Armes Dresden! Es ist der kulturell reich gesegneten Stadt zu wünschen, dass ein Sturm die Pegida-Plebejer fortträgt. Und die Waldschlösschenbrücke gleich mit.

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