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Weser-Kurier: Zur Verpflegung von Flüchtlingen bei den Tafeln schreibt Martin Wein:

Bremen (ots) - Nein, einen Skandal gibt es in diesem Fall nicht. Die Tafeln brechen nicht zusammen unter der Last allzu vieler hungriger Flüchtlinge, wie dies medial verbreitet wurde. Kein Syrer oder Schwarzafrikaner isst deutschen Sozialgeldempfängern den Rotkohl oder das Toastbrot weg. Es ist - von wählerischen Konsumenten verschmäht - genug für alle da. Skandalös ist eher das Treiben mancher Politiker und Sozialstaatsbeamten: Öffentlich beschwören sie bei Sektempfängen eine "Willkommenskultur". Stillschweigend aber suchen sie nach billigsten Lösungen zur Unterbringung der armen Teufel, die es oft in höchster Not über deutsche Grenzen zu uns geschafft haben. Der Heimskandal in Nordrhein-Westfalen passt da ebenso ins Bild wie die offenbar nicht unübliche Praxis, Flüchtlingen als erste Anlaufstelle ausgerechnet die ehrenamtlich betriebenen Tafeln zu nennen Es ist die Aufgabe des Staats, sich ausreichend und sorgsam um Flüchtlinge zu kümmern. Dazu gehören neben Bett und Kleidung in der ersten Zeit auch eine angemessene Verpflegung und psychosoziale Betreuung. Anstatt Ressentiments zu schüren, sollten sich die Verantwortlichen lieber für bessere Integration einsetzen: für gute Deutschkurse, für einen Schulunterricht, der nicht nur der Schulpflicht Genüge tut, für ein Bleiberecht während einer Ausbildung und eine schnelle Arbeitserlaubnis. Die Arbeit der vielen Tausend Helfer bei den Tafeln kann man nicht genug loben. Es kann aber nicht ihre Aufgabe werden, die Defizite eines schwächelnden Sozialstaats auszugleichen. Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland.

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