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Weser-Kurier: Zur "Rosetta"-Mission schreibt Jürgen Wendler:

Bremen (ots) - Bis zu zwei Milliarden Menschen leiden nach Angaben der Vereinten Nationen unter Mangelernährung. Rund 750 Millionen haben Probleme, an sauberes Trinkwasser zu kommen. Und ungefähr genauso viele können nicht lesen und schreiben. Angesichts solcher Zahlen erscheint es durchaus angebracht, kostspieligen Raumfahrtprojekten wie der etwa eine Milliarde Euro teuren "Rosetta"-Mission kritisch zu begegnen. Gibt es nicht Wichtigeres, als eine Sonde zu einem Hunderte Millionen Kilometer entfernten Kometen zu schicken? Selbst wer diese Frage bejaht, kommt um zwei Tatsachen nicht herum: Es gehört zum Wesen des Menschen, neue Erkenntnisse gewinnen und Grenzen verschieben zu wollen - und es ist beeindruckend, mit wie viel Energie und Schaffenskraft Menschen selbst schwierigste technische Aufgaben in Angriff nehmen. Die "Rosetta"-Mission der europäischen Weltraumagentur (ESA) ist eine wissenschaftliche Meisterleistung. Mehr als zehn Jahre war die Sonde unterwegs, ehe sie zielsicher den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko erreichte. Geräte der Sonde haben in den vergangenen Monaten unter anderem die Oberflächentemperatur dieses Himmelskörpers gemessen und Kohlendioxid und Wasser in der Gashülle nachgewiesen. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, das Wissen über Kometen zu erweitern, über Himmelskörper, die mit ihrer Zusammensetzung Informationen über die Frühzeit des vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstandenen Sonnensystems liefern. Dass es nun auch erstmals gelungen ist, eine Landeeinheit auf einem Kometen aufsetzen zu lassen, macht die Mission zu einem Meilenstein der Forschung. Wohin die Entwicklung führen könnte, lässt sich erahnen. Vielleicht liefert das Kometenmaterial neue Informationen über die Ursprünge des Lebens. Vielleicht wird die Möglichkeit, Geräte auf solchen Himmelskörpern landen zu lassen, eines Tages helfen, Objekte, die der Erde gefährlich nahe kommen könnten, von ihrem Kurs abzubringen.

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