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Weser-Kurier: Zum Grubenunglück in der Türkei schreibt Susanne Güsten:

Bremen (ots) - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate erlebt die Türkei ein schweres Grubenunglück. Wieder bangt das Land um das Leben von Bergleuten, die unter Tage eingeschlossen sind. Fast 1500 Menschen sind seit Jahresbeginn in der Türkei bei Arbeitsunfällen ums Leben gekommen - und die Regierung verbreitet immer wieder den Eindruck, solche Unfälle seien unausweichlich und kämen überall auf der Welt vor. Doch das ist falsch. Die Türkei hat zwar viele ihrer Gesetze auf einen modernen Stand gebracht. Die sehen regelmäßige Inspektionen und teils drakonische Strafen bis hin zur Zwangsschließung von Bergwerken vor. Doch die besten Gesetze nützen nichts, wenn sie im Alltag ignoriert werden. Und das ist in der Türkei häufig der Fall. Zudem leidet das Land immer noch unter einer oft übersehenen Folge des Militärputsches von 1980: Damals wurden die Gewerkschaften entmachtet. Kein Regierungschef und kein Präsident seitdem haben etwas daran geändert - auch der seit 2003 regierende Recep Tayyip Erdogan nicht. Die Arbeitnehmervertretungen sind deshalb viel zu schwach, um die Unternehmen zur Einhaltung strikter Sicherheitsvorkehrungen zu zwingen. Nur unmittelbar nach einem Unglück wie jetzt im südtürkischen Ermenek stehen die Politiker unter dem Druck, etwas an den Zuständen zu ändern. Bald darauf gerät das Thema wieder in Vergessenheit. Deshalb gibt es auch jetzt kaum eine Hoffnung darauf, dass die türkischen Bergwerke bald so sicher sein werden wie die in Westeuropa.

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