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Weser-Kurier: Zum Bremer Wahlvorstoß schreibt Wigbert Gerling:

Bremen (ots) - Miefige Schulkorridore, brummige Wahlvorstände, dann die Stimmabgabe in einer windschiefen Kabine - und als Gipfel noch ein abgenagter Bleistift am Bande, damit er vom Volk bloß nicht geklaut wird. Ein Klischee vom Wahlvorgang? Ja. Aber eines, das von der Wirklichkeit so weit nicht entfernt ist. Und so wundert man sich, dass sich Politikstrategen immer wieder wundern, wenn die Wahlbeteiligung zu wünschen übrig lässt. Klar, die Teilnahme an Wahlen kann nicht von Negativ-Symbolen wie verschlissenen Kabinen abhängig sein. Aber wenn schon in regelmäßigen Abständen die ungenügende Wahlbeteiligung zum Thema wird, dann gehört dazu auch die Frage: Weshalb ist jedes Vorstadt-Einkaufszentrum attraktiver als das, was an einem Sonntag aufgebaut wird, wenn der Souverän, von dem in der Demokratie alle Macht ausgeht, zur Stimmabgabe gebeten wird? Stichwort Einkaufszentren. Gibt es keine rechtlichen Hürden, dann gibt es auch keinen Grund, eine Stimmabgabe dort nicht auszuprobieren. Die Politik muss Interesse erzeugen, und das am besten dort, wo die Leute sind. Im Alltag. Aber nun 'ran an die Reform! Sonst bleibt der Verdacht, dass es der Politik - abgesehen von der Vorwahlzeit - eher recht ist, wenn das Volk die Stimmen abliefert, ansonsten nicht weiter stört und besser die Klappe hält.

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