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Weser-Kurier: Zum Belgrader Fußball-Krawall schreibt Norbert Mappes-Niediek:

Bremen (ots) - Wer am Tag nach dem entgleisten Fußballspiel von Belgrad durch serbische wie albanische Websites und Chaträume surfte, konnte glauben, der Krieg sei zurück. Hat Albanien im Luftkrieg den Sieg über den Erbfeind davongetragen? "Sie haben alle Eingänge zum Stadion geschlossen", schrieb ein Albaner über das Spiel, von dem albanische Fans aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen waren, "aber das Wichtigste haben sie vergessen: Die Adler kommen aus der Luft" - eine Anspielung auf das Flugobjekt, das die serbischen Fans in Rage brachte, und auf das Wappentier der Albaner. Serbiens Boulevardmedien kolportierten ungeprüft die wildesten Gerüchte - etwa, dass der Bruder des albanischen Premiers den provokanten Lenkdrachen über dem Stadion persönlich gesteuert habe. Die gute Nachricht: Der Krieg ist nicht zurück. Anders als der 13. Mai 1990, als in Zagreb eine Schlacht zwischen kroatischen und serbischen Fans die Gewalt in den politischen Konflikt der jugoslawischen Nationen trug, fällt der 14. Oktober 2014 in eine Zeit der Versöhnung. Seit der Grundsatzeinigung über das Kosovo sind Serben und Albaner so gut miteinander wie seit gut 30 Jahren nicht mehr. Nächste Woche kommt sogar der albanische Premierminister nach Belgrad. Die schlechte Nachricht ist, dass die Versöhnung der Regierungen in beiden Völkern offenbar noch keinen großen Widerhall gefunden hat. Zwar waren es tatsächlich bloß Hooligans, die Dienstagabend das Feld stürmten und Albaner verhauen wollten, Gestalten, wie es sie auch in England oder Deutschland zur Genüge gibt. Aber auch sonst vernünftige Serben und Albaner ließen sich von der Hysterie allzu bereitwillig anstecken. Seriöse Medien in Belgrad verschwiegen die Attacke der Serben. Und im albanischen Fernsehen grinsten Moderatoren und Studiogäste einträchtig über den albernen Coup mit der großalbanischen Fahne. Auch das wäre ein Nachspiel wert.

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