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Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zum Langenscheidt-Urteil

Bremen (ots) - Rot ist die Liebe, Grün ist die Hoffnung, aber Gelb ist seit gestern nicht mehr der Neid, sondern Langenscheidt. Der Bundesgerichtshof hat dem Verlag attestiert, dass Gelb sein und nur sein Markenzeichen in der Welt der Wörterbücher ist. So gut wie jeder Schüler, der in Deutschland eine Sprache gelernt hat, wird das ohne Weiteres bestätigen können: Es gab Pelikan- und Geha-Füller, und es gab die gelben Wörterbücher von Langenscheidt und die grünen von Pons. Der Wörterbuch-Verlag aus München hatte also guten Grund, seine Farbe zu verteidigen, so wie es vor ihm auch schon andere Konzerne getan haben, weil sich die Konkurrenz buchstäblich mit fremden Federn schmückte. Aus Versehen? Blauäugig wäre, wer für einen dummen Zufall hielte, wenn sich eine andere Firma, deren Produkte auch beim Sprachenlernen helfen, ein sattes Sonnengelb als Produktfarbe auserkoren hat. Verwechslungen beim Kunden werden einem Unternehmen, das sich neben dem ökonomischen Platzhirsch zu etablieren sucht, nicht nur gerade recht kommen, sondern kühl kalkuliert sein. Bis ein Rechtsstreit entschieden ist, vergehen meist Jahre - bis dahin lässt sich viel verkaufen. Juristisch gesehen mag die Verwendung fremder Farben keine Markenpiraterie sein, aber sie grenzt wohl daran: Bei mehr oder weniger plumpen Fälschungen werden Firmen um ihre Ideen, ihre Designs, um Forschungs- und Entwicklungsleistungen gebracht. In diesem Fall profitieren andere von meist jahrelangen Investitionen in ein Markenimage. Denn die Marketing- und PR-Abteilungen, denen es gelingt, dass sich eine Farbe im Gehirn der Kunden als Synonym für eine Marke festbeißt, gehören in den Werbe-Olymp - das muss nämlich erst einmal jemand schaffen. Um Langenscheidt mit einem gewissen Gelb, die Telekom mit Magenta, Barbie mit einem bestimmten Pink, Nivea mit seinem Blau oder Milka eben mit dem Milka-Lila gleichsetzen zu können, dazu braucht es langen Atem, Durchhaltewillen, eine Unternehmenstradition, die sich auch gegen Trends stemmen kann - und nicht zuletzt: dauerhaften Erfolg am Markt. Vor Neidern kann sich keine Firma schützen, gegen Plagiatoren muss sie es dürfen.

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