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Weser-Kurier: Kommentar von Ben Zimmermann zum Krieg in der Ukraine

Bremen (ots) - Das muss man sich mal vorstellen: Russische Soldaten lassen sich beurlauben, um ihre Ferien nicht badend am Meer, sondern kämpfend in einem fremden Land zu verbringen. Ihr Kriegsgerät nehmen sie dabei praktischerweise gleich mit. Und ihr Dienstherr weiß davon nichts. Klingt absurd? Sicher, aber genau diese Geschichte wird nun aufgetischt, um die Beteiligung russischer Militärs am Konflikt in der Ukraine zu begründen. Wir erinnern uns: Auch bei der Annexion der Krim tauchten auf einmal Soldaten ohne Hoheitsabzeichen an ihren Uniformen auf. Den Verdacht, es handele sich um russische Kämpfer, wies Moskau zunächst zurück, um ihn später schulterzuckend zu bestätigten. Beim Schüren der Auseinandersetzungen in der Ukraine tat Kremlchef Wladimir Putin bisher ganz unverfroren alles, was sich gerade noch unterhalb der Schwelle zur offenen Aggression befindet. Mit dem offensichtlichen Eingreifen russischer Truppen im Nachbarland verschiebt er diese Grenze noch ein Stück weiter. Sein Hinweis, der Konflikt sei eine innerukrainische Angelegenheit, mit der Russland nichts zu tun habe, ist angesichts der jüngsten Ereignisse nichts als blanker Zynismus. Die Zeichen stehen also auf Eskalation. Präsident Petro Poroschenko kann es sich nicht leisten, das nächste Stück der Ukraine preiszugeben, und wird deshalb weiter versuchen, die von Moskau unterstützten Separatisten militärisch zurückzudrängen - zivile "Kollateralschäden" inbegriffen. Und sein Gegenspieler Putin ist sowieso nicht an einer Beruhigung der Lage interessiert. Ihm geht es nicht nur darum, russische Erde zu sammeln, wie es auch frühere Herrscher taten. Die demonstrative Stärke schraubt zugleich die Popularitätswerte des Präsidenten auf Traumhöhen. Der Krieg macht sich also auch an der Heimatfront ganz gut. Dabei wäre eine Lösung des Konflikts keineswegs unmöglich: Russland und die Separatisten müssten die territoriale Integrität der Ukraine anerkennen, im Gegenzug müsste Kiew dem Osten des Landes eine weitgehende Autonomie gewähren. Doch Putins Zündeln lässt jede Annäherung in weite Ferne rücken. Der blutige Konflikt wird die Welt noch lange beschäftigen.

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