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Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zum Mindestlohn bei Friseuren

Bremen (ots) - Die Volkswirtschaftslehre belegt es in der Theorie, die Erfahrung lehrt es in der Praxis: Selten steigen Löhne allein, sondern mit ihnen steigen meist die Preise. Das trifft insbesondere bei brancheninternen oder gar -übergreifenden Tarifreformen zu - wie dem Mindestlohn. Und doch scheint es manche Kunden zu wundern, dass ein Haarschnitt für zehn Euro kaum mehr zu bekommen ist. Dabei funktioniert ein Discount-Friseursalon nicht anders als jeder andere Discounter, in dem Fleisch oder Kleidung verkauft wird: Billig kann andere teuer zu stehen kommen, ob Textilarbeiter in Bangladesch, schlecht bezahlte Friseure oder Tiere, die in Massen gehalten werden. Es ist eben auch eine Gewissensfrage, wie viel dem Verbraucher ein T-Shirt, ein Schnitzel und eine Dienstleistung wert sind. Dennoch scheint absehbar, dass es manche Salons schwer haben und einige den Mindestlohn nicht überleben werden. Meist sind es die Kleinen, die Frisöre im Wohngebiet an der Ecke, die einen Kundenschwund nicht verkraften können. Der sie schon allein treffen kann, weil alte Menschen mit mickriger Rente schlicht nicht jede Preiserhöhung verkraften können. Der Mindestlohn beendet große Ungerechtigkeit, aber er schafft auch neue. Vermutlich gibt es daraus keinen Ausweg. Man mag diese Folgen bewusst billigend in Kauf nehmen, nur unterschlagen darf man sie nicht.

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