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Weser-Kurier: Zum Krieg im Gazastreifen schreibt Hans-Ulrich Brandt:

Bremen (ots) - Es war ein kurzes Zeichen der Hoffnung: Israel hatte seine Soldaten und Panzer aus dem Gazastreifen abgezogen, für drei Tage schwiegen die Waffen, indirekte Gespräche in Kairo zwischen Israel und Repräsentanten der Palästinenser sollten zu einer längerfristigen Lösung führen. Doch die Waffenruhe war wieder einmal nur von kurzer Dauer - noch bevor sie abgelaufen war, signalisierte die radikalislamische Hamas deren Ende. Nun fliegen also wieder Raketen Richtung Israel, und Israel reagiert mit Angriffen aus der Luft. Wie dieser Teufelskreis aus tiefem Hass, aus Rache und Vernichtungswahn durchbrochen werden kann - niemand weiß es. Und schlimmer noch: Kaum einer mag mehr daran glauben, dass dies überhaupt noch gelingen kann. "Wir Israelis haben eine schizophrene Selbstwahrnehmung. Wir kultivieren ständig die eigene Stärke, hören aber nicht auf, uns als schwach und bedroht wahrzunehmen", sagt die israelische Soziologin Eva Illouz über ihr Land. Und sie spricht vom Verlust der "humanitären Sensibilität" vieler Israelis. Früher seien Palästinenser Teil des israelischen Alltags gewesen. Nach dem Bau der fast 800 Kilometer langen Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland habe sich das geändert. "Jetzt sehen wir die Palästinenser fast ausschließlich als ,Terroristen', ohne Gesicht und ohne Namen", lautet Illouz' Einschätzung. Und die Palästinenser? Sie sehen in Israel eine Besatzungsmacht, die sie permanent kontrolliert, drangsaliert und ihnen durch ihre unrechtmäßige Siedlungspolitik immer weniger Lebensraum lässt. Auch die Palästinenser fühlen sich durch Israel in ihrer Existenz bedroht. Was also tun? Wer kann vermitteln in diesem scheinbar unlösbaren Nahost-Konflikt? Kann es Ägypten? Eher jedenfalls als die USA. Trotz vieler Anläufe und hehrer Absichten ist US-Außenminister Kerry mit seiner Pendeldiplomatie gescheitert. Ägypten immerhin ist neben Jordanien das einzige arabische Land, das einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet hat und über sehr gute Kontakte zu Tel Aviv verfügt. Inwieweit eine EU-Mission unter deutscher Führung zur Grenzkontrolle des Gazastreifens sinnvoll wäre, wie von Israels Außenminister Lieberman gewünscht, ist derzeit schwer zu sagen. Solange die Waffen aber nicht verlässlich schweigen, ist eine solche Mission nur ein Himmelfahrtskommando.

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