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Weser-Kurier: Kommentar von Hans-Ulrich Brandt zum Rote-Khmer-Urteil

Bremen (ots) - Kann ein Gericht nach 35 Jahren noch für Gerechtigkeit sorgen? Bringt ein Urteilsspruch nach so langer Zeit den vielen Hunderttausend Opfern des brutalen Pol-Pot-Regimes noch Trost? Beobachter dieses acht Jahre dauernden Prozesses gegen ursprünglich vier Angeklagte, von denen einer gestorben, einer wegen Demenz für prozessunfähig erklärt wurde und von denen die beiden jetzt zu lebenslänglich Verurteilten 88 beziehungsweise 83 Jahre alt sind, bezweifeln das. Doch was wäre die Alternative gewesen? Pol Pot, Kambodschas kommunistischer Diktator, blieb trotz seiner Schreckensherrschaft bis zu seinem Tod unbehelligt. War das gerecht? Immer wieder wurde auch dieser Prozess vor dem UN-Sondertribunal in Phnom Penh massiv behindert, weil viele einflussreiche Kambodschaner selber Rote Khmer waren - zum Beispiel der amtierende Regierungschef Hun Sen. Zeigt allein das nicht, wie wichtig es war, diesen Prozess durchzuziehen? Nein, dieses Urteil ist keine Farce. Auch wenn die Mehrheit der sehr jungen Bevölkerung in Kambodscha die Zeit der Gräuel lieber vergessen möchte, dieser Richterspruch unterstützt das Vertrauen darauf, dass aus Unrecht niemals Recht werden darf. Die Auseinandersetzung mit der eigenen schrecklichen Vergangenheit ist ein schwieriger Prozess. Auch die juristische Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen zeigt das.

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