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Weser-Kurier: Zum Krieg im Irak schreibt Joerg Helge Wagner:

Bremen (ots) - Es ist weit mehr als die vierte Auflage des Golfkrieges, was da gerade im Nahen und Mittleren Osten passiert: Der Vormarsch der sunnitischen ISIS-Extremisten hat nicht weniger als eine Systemänderung für die gesamte muslimische Welt zum Ziel. Die arabischen Staaten sind nur Etappen; das Projekt Kalifat soll nicht an der türkischen Grenze enden. Damit ist für die NATO der Bündnisfall nahe. Israel, schon jetzt eine demokratische Insel in einem Meer von Despotien, wäre wieder komplett von Todfeinden eingeschlossen. Es würde sich mit allen Mitteln gegen seine Vernichtung wehren, notfalls auch mit taktischen Atomwaffen. Europa, immer noch stark abhängig vom Öl aus der Region, wäre substantiell betroffen - auch jenseits der Energieversorgung hat man vielfältige wirtschaftliche Interessen, nicht nur in den Golfstaaten. Was aber bislang völlig fehlt, ist eine Strategie des Westens, wie man in diesen Konflikt eingreift, der sich mit Verhandlungen nicht lösen lässt. Bloß kein weiterer Militäreinsatz und bitte so wenige Flüchtlinge wie möglich aufnehmen - das ist bislang der kleinste gemeinsame Nenner. Beides ist falsch. Die einzigen halbwegs "westlichen" Gegner des ISIS, die kurdischen Peschmerga, müssten massiv mit Waffenlieferungen und Luftschlägen unterstützt werden. Sonst werden nur die kaum weniger radikalen Schiiten-Milizen, die vom Iran gesteuert werden, erstarken. Und die mittlerweile nach Millionen zählenden Flüchtlinge in der Region brauchen - nicht nur aus humanitären Gründen - dringend gute Versorgung und robusten Schutz. Elend erzeugt immer neuen Extremismus - Afghanistans Taliban sind schließlich auch in den Flüchtlingslagern Pakistans groß geworden. Die Gefahr ist groß, dass der Westen abermals jenen Terror erntet, den er durch Unterlassen sät.

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