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Weser-Kurier: Zur argentinischen Staatspleite schreibt Klaus Ehringfeld:

Bremen (ots) - Die Geschichte um die neuerliche Staatspleite Argentiniens ist nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Es ist ein bizarres Stück von entfesseltem Raubtierkapitalismus auf der einen und einem tragikomischen Land in ständiger Bereitschaft zum Untergang auf der anderen Seite. Und dieses Mal fällt es schwer, den Verantwortlichen auszumachen. 2001/2002 war das ganz anders. Zur Jahrtausendwende stand Argentinien nach einer aberwitzigen Wirtschaftspolitik des neoliberalen Präsidenten Carlos Menem mit Hunderten von Milliarden Dollar international in der Kreide. Der Zahlungsausfall hatte dramatische Folgen für die Bevölkerung. Die Argentinier kamen nicht mehr an ihr Geld. Aufstand, Chaos, Tote waren die Folge. Das sieht dieses Mal anderes aus. Der Aktienindex in Buenos Aires sprang am Donnerstag um mehrere Prozentpunkte. Argentinien, so möchte man meinen, feiert den Staatsbankrott. Vielleicht liegt es daran, dass die Argentinier in ihrem unnachahmlichen Hang zu Arroganz und Anarchie der Welt einmal mehr gezeigt haben, dass sie anders sind als alle anderen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das südamerikanische Land technisch eigentlich gar nicht pleite ist. Die Regierung in Buenos Aires ist am 1. August genauso liquide wie am 31. Juli. Gerade noch hat sie Zinszahlungen und Tilgungen geleistet. Nur dürfen die nicht an die Gläubiger gezahlt werden, weil das ein Urteil verhindert, das den gefräßigen Geierfonds eine Vorzugsbehandlung einräumt. Die Hedgefonds sind mindestens genauso verantwortlich für dieses Szenario wie die renitente Regierung von Cristina Fernández. Nun begibt sich Argentinien also bereitwillig in eine Art technische Staatspleite. Das bedeutet vor allem, dass das Land nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr an Kredite auf den internationalen Märkten kommt. Das kennen sie im Süden Südamerikas ja schon. Die viertgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas muss sich in Zeiten von Rezession, notorischer Devisenknappheit und einem Präsidentenwahlkampf vor der Tür mal wieder neu erfinden.

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