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Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagner zum NSU-Prozess

Bremen (ots) - Drohte der NSU-Prozess wirklich zu platzen? Zumindest wäre ein völliger Neuanfang des Mammut-Verfahrens, das bislang gut 130 Millionen Euro gekostet hat, möglich gewesen, wenn... Wenn der Vorsitzende Richter Manfred Götzl nicht so souverän auf die überraschende Volte der Hauptangeklagten Beate Zschäpe reagiert hätte. Schnell konnte er entlarven, dass hinter deren Wunsch, ihre drei Pflichtverteidiger loszuwerden, keine echte Vertrauenskrise stand. Es war offenbar eher eine Laune. Folglich lehnte Zschäpe auch das richterliche Angebot ab, sich noch einmal dazu zu äußern. Der Preis für ihr totales Schweigen ist, dass nicht sie selbst die Deutungshoheit über ihre Person hat. Das Bild von ihr wird ausschließlich von den Zeugen geprägt: naiven wie der jungen Juliane Sch. oder zwielichtigen wie dem früheren V-Mann und Neonazi Tino Brandt. Vielleicht hat Zschäpe die Erkenntnis, dass Schweigen nicht Kontrolle, sondern Kontrollverlust bedeutet, genervt. Den Richter darf das nicht interessieren. Er hat kühl das Revisionsrisiko abgewogen, für gering befunden und so verhindert, dass der Rechtsstaat zum Popanz gemacht wurde. Zschäpe bleibt das Recht, zu schweigen - oder endlich zu reden und so ein wenig Kontrolle über ihr fatales Leben zurückzugewinnen.

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