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Weser-Kurier: Kommentar von Andreas Lesch zum Besuch Angela Merkels in der Kabine der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Bremen (ots) - Man muss kein Marketingprofi sein, um zu erkennen, dass die Botschaft dieses Bildes funktioniert: die Kanzlerin in der Kabine. Angela Merkel bei der Fußball-Nationalmannschaft. Die Botschaft des Bildes lautet: Wir sind Deutschland, wir sind Sieger, wir tun euch da draußen gut. Es haben schon andere deutsche Regierungschefs die Nähe zur Nasszelle gesucht, aber Merkel geht auf ihrem Weg Richtung Dusche besonders zielstrebig vor. Im Jahr 2010 hat sie sich im Berliner Olympiastadion mit dem halbnackten Mesut Özil ablichten lassen, er sollte herhalten als Beispiel gelungener Integration. Damals gab es Ärger, weil ihr Besuch nicht angemeldet war. Nun, in Salvador, war alles angekündigt und durchgeplant bis ins Detail. Merkel trägt einen Blazer und eine Hose in einem Rot und Weiß, das exakt den Farben der Spielerklamotten entspricht. Sie steht in der Mitte, zwischen ihren Lieblingen Schweinsteiger und Podolski. Die Spieler tragen Badelatschen, Özil und Schweinsteiger haben eine Deutschland-Fahne um den Hals, die Trinkflaschen vorn sind schwarz-rot-gold. Das soll spontan wirken und ist inszeniert wie ein Gemälde. Merkel hat sich dann noch mit Podolski für einen Schnappschuss mit dem Smartphone zur Verfügung gestellt, der nun im Internet Karriere macht. Ist das nicht jugendlich, locker, modern? Nein, das ist knallhart kalkuliert. Die Politik hat schon immer gern mit dem Sport gekuschelt, wenn er glänzte. Kein Wunder: Der Sport ist bunt, er ist jung, er strotzt vor Kraft und Emotion. Angela Merkels Drang zum Fotoshooting aber beweist, welch absurde Dimension der Fußball während einer WM mittlerweile hat. Es gibt kein Thema, das das Land quer durch alle Altersklassen und Schichten so leidenschaftlich vereint. Jeder versucht, von diesem Turnier zu profitieren, vom Bäcker um die Ecke über den örtlichen Autohändler - bis nun eben zur Kanzlerin. Selbst wenn ihr Auftritt anbiedernd anmutet, wird sie von ihm profitieren. Weil Bilder im Kopf bleiben, gerade in unserer schnelllebigen Zeit.

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