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Weser-Kurier: Kommentar von Hans-Ulrich Brandt zu Krankenhaus-Abrechnungen

Bremen (ots) - Der Schlagabtausch zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern über fehlerhafte Abrechnungen kommt in jedem Sommer so sicher wie ein Gewitter. Und immer wird diese aufgeladene Konfrontation der beiden Leistungspartner im Gesundheitssystem von viel Blitz und Donner begleitet. Und was bleibt übrig, wenn sich die Wetterlage beruhigt hat? Wenig bis nicht viel - jedenfalls kein Skandal. Ja, es stimmt! Nicht jede Rechnung, die ein Krankenhaus an die Krankenkasse schickt, ist ohne Fehler. Meldungen jedoch, die den Kliniken unterstellen, dass jede zweite von ihnen ausgestellte Rechnung falsch ist und den Kassen damit Milliardenbeträge entgehen, sind unlauter. Wer so etwas behauptet, verdreht die Fakten. Letztlich werden nämlich nur etwa zehn Prozent aller gestellten Rechnungen überhaupt von den Krankenkassen beanstandet. Und nur etwa die Hälfte dieser beanstandeten Fälle erweist sich als haltbar und begründet, sodass die Klinken Geld an die Kassen zurückzahlen müssen. Mag auch das ein Ärgernis sein - skandalös ist es nicht. Und schon gar nicht Abrechnungsbetrug, denn dann müssten die Kliniken vorsätzlich handeln. Das aber mögen ihnen auch die Kassen nicht unterstellen. Wie aber kommt es, dass die Prüfung der Abrechnungen für die Kassen durchaus ein lohnendes Geschäft ist? Hier muss hingewiesen werden auf das undurchschaubare und nur durch Computertechnik überhaupt zu bewältigende Abrechnungssystem von medizinischen Diagnosen und Leistungen. Etwa 35.000 verschiedene Codes regeln dieses komplizierte Verfahren, das logischerweise nicht frei von Interpretationsmöglichkeiten ist. Wen würde es wundern, wenn die Kliniken dies nicht zu ihrem Vorteil nutzten? Dies dann wiederum hinterher von den Krankenkassen zu überprüfen, ist gut und richtig und natürlich im Sinne der Versicherten, die ihre Beiträge schließlich nicht verpulvert sehen wollen. Den Krankenhäusern allerdings die Rolle des Schwarzen Peter anzuhängen, ist unfair, die Kassen machen es nämlich immer dann genauso, wenn sie der Leistungserbringer sind.

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