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Weser-Kurier: Zum Krim-Konflikt schreibt Joerg Helge Wagner im WESER-KURIER:

Bremen (ots) - Daran, dass die Krim bald unter den Einfluss Moskaus zurückkehren wird, kann es keine Zweifel geben: Bevölkerungsstruktur, Lage, Historie und nicht zuletzt die Machtverhältnisse sprechen dafür. Entscheidend für die Zukunft ganz Europas ist jedoch, wie dies geschieht: durch Bruch des Völkerrechts, militärische Besetzung und eine fingierte Volksabstimmung - oder in einem international kontrollierten, durchschaubaren und gewaltfreien Prozess. Russlands Präsident Putin bevorzugt bislang immer noch die erste Variante. Das aber ist der Weg zurück ins Blockdenken des 20. Jahrhunderts vor Glasnost und Perestroika. Es ist der Weg von Konfrontation, Eskalation und permanenter Kriegsgefahr. Deshalb ist es richtig, Putin auf diesem Weg nicht durchkommen zu lassen. Und es ist gut, dass Blockaden errichtet werden: transatlantisch, paneuropäisch und nicht zuletzt über fast alle Fraktionsgrenzen im Bundestag hinweg. Diese Einigkeit macht die Krise auch zur Chance für Europa. Jetzt können EU und OSZE zeigen, wie handlungsfähig sie sind. US-Präsident Obama überlässt Kanzlerin Merkel die Führungsrolle. Nun muss, nun will sie etwas daraus machen. Sie weiß, dass man Putin mit Drohungen allein nicht beikommt. Also gibt es neben Druck auch Angebote. Die goldene Brücke hat ausgerechnet der ukrainische Übergangsregierungschef Jazenjuk gebaut: noch mehr Autonomie für die Krim bei Steuern und Amtssprache, ja sogar ein Referendum - dem könne das Parlament in Kiew zustimmen. Putin wird die Möglichkeit, die Krim völkerrechtlich sauber zurück nach Russland zu holen, ja geradezu aufgenötigt. Er müsste nur endlich der Kontaktgruppe zustimmen und die OSZE-Beobachter hereinlassen, statt sie mit seinen gefährlich albern maskierten Eingreiftruppen abzuwehren. Und wenn Putin das alles nicht tut? Dann bricht eine neue Eiszeit aus. Und in der werden Russen und russisch beherrschte Ukrainer sicher viel mehr frieren als alle übrigen Europäer.

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