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Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagner zur Gewalt gegen Frauen

Bremen (ots) - Da läuft also etwas gewaltig schief in unseren offenen, liberalen Gesellschaften - und die enorme Zahl von Opfern zeigt, dass nicht nur die prekären Randbereiche betroffen sind. Besonders schrecklich für viele Opfer ist, dass sie den Terror einsam erdulden müssen: Da ist niemand, dem sie sich anvertrauen können. Vereinzelung, Bindungslosigkeit, Desinteresse haben die Mechanismen der sozialen Kontrolle ruiniert. Das regelmäßige Geschrei in der Wohnung nebenan, das zerschundene Gesicht der Nachbarsfrau - überhört, übersehen, man kennt sich ja kaum. Fürsorgliches Interesse ist doch keine aufdringliche Neugier, aber das Gespür für diesen Unterschied schwindet. Es wäre deshalb zu billig, jetzt nach dem Staat, dem Gesetzgeber zu rufen. Stalking etwa steht seit sieben Jahren in Deutschland unter Strafe. Aber welcher Stalker wird verurteilt, wenn sein Opfer niemanden hat, der den Psychoterror bezeugen kann? Mitgefühl und Courage kann nur aus der Gesellschaft selbst heraus entstehen, und das fängt bei jedem Einzelnen an.

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