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Weser-Kurier: Der "Weser-Kurier" (Bremen) kommentiert in seiner Ausgabe vom 27. Februar zum Urteil im Fall der tödlichen Attacke in Kirchweyhe

Bremen (ots) - Gibt es noch einen Funken Hoffnung, dem Leben eine andere Richtung zu geben? Das muss eine der zentralen Fragen gewesen, der sich die Richter der Jugendstrafkammer in Verden zu stellen hatten. Gibt es Hoffnung, dass ein junger Mann, der einen anderen ohne Anlass zu Tode getreten hat, seine Tat versteht, dass er sie bereut und lernt, mit seinen Aggressionen umzugehen? Das Gericht hat dem Täter zugebilligt, dass er sich ändern kann. Fast sechs Jahre soll er hinter Gitter, um erzogen zu werden und Defizite aufzuholen. Die Chance dazu bekommt er indes nicht zum ersten Mal: Er war vor einigen Jahren schon einmal zu Jugendarrest verurteilt worden, weil er auf einen Jugendlichen eingestochen hatte. Und Reue hat der Täter vor Gericht offenbar nicht gezeigt. Hat das Gericht also angemessen geurteilt? Es ist mehr als ungewiss, ob die Haftstrafe die erste von vielen oder seine letzte sein wird. Die Rückfallquote im Jugendstrafvollzug ist hoch. Und es gibt leider viele Fälle wie diesen: Junge Männer, die nur denkbar schlecht ins Leben starten konnten, die mit Misserfolgen aller Art groß geworden und voller Wut sind. Manche kriegen die Kurve, allein oder mit fremder Hilfe, viele kriegen sie nicht. Selbstverständlich rechtfertigt eine schwierige Kindheit keine Gewalttat, aber auch nicht jede Gewalttat rechtfertigt ein Leben hinter Gittern bis zum Tod, um weitere Taten zu verhüten. Wenn die Rechtsprechung davon ausgeht, dass es junge Menschen gibt, die Schlimmes tun, weil sie Entwicklungs- oder Erziehungsdefizite haben, lautet die eigentliche und immer wiederkehrende Frage: Wann kann und wann muss der Staat eingreifen, um Kinder zu buchstäblich gesellschaftsfähigen, mitfühlenden, verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen, die dazu zu Hause offenbar nicht erzogen werden? Damit zu beginnen, wenn ein Todesopfer zu beklagen ist, mag für manche junge Täter gerade noch rechtzeitig sein. Für die Opfer und Angehörigen ist es zu spät.

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