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Weser-Kurier: Zum Knatsch in der großen Koalition schreibt der Bremer WESER-KURIER:

Bremen (ots) - Wofür steht die Abkürzung GroKo? Für große Kosten, wie manche unken? Oder vielmehr für große Konflikte und grobe Konfrontationen? Noch ist das schwer zu sagen, auf jeden Fall sind sich die Partner in einigen Fragen ganz offensichtlich uneins. Nicht alle Partner, selbstverständlich, sondern einige. Allen voran die, die immer gerne Schlagzeilen produzieren, wie beispielsweise der bayerische CSU-Oberlöwe Horst Seehofer. Ihn schert Gezeter in Berlin bekanntlich wenig, wenn ihm in Bayern Applaus sicher ist. Schön ist das nicht, aber auch keine Überraschung. Für die nächsten 45 Monate, die mögliche Restlaufzeit von Schwarz-Rot, hat der Knatsch nicht viel zu bedeuten. Eine große Koalition folgt einer eigenen Logik, wenn das Bündnis nicht von den Akteuren erwünscht, sondern von den Wählern erzwungen wurde. Es geht in diesem Bündnis und in dieser Phase gerade nicht um Harmonie, nicht darum, wie mit einer Stimme zu sprechen. Es muss eher vermieden werden, die unterschiedlichen Positionen im Stillen auszutauschen und gemeinsam nach eleganten Kompromissen zu suchen. Nein, zu Beginn der Regierungsarbeit geht es darum, die Mähnen zu spreizen, dem Koalitionspartner zu zeigen, wer die Alphamännchen und -frauchen sind, dem Wähler von 2017 klarzumachen, wie und woran sich die Geister scheiden. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Gut gebrüllt, Löwen. Nun macht das alles innerhalb und außerhalb des Landes keinen sonderlich guten Eindruck. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass allen Wählern dieser Zank gefällt, selbst wenn er zur Show gehört. Folgt sie einem auch nur halbwegs vernünftigen Skript, und diese Hoffnung kann man durchaus noch haben, muss das Gebrüll in absehbarer Zeit ein Ende haben. Es gibt schließlich auch wirkliche Aufgaben für die neue Regierung. Und mit einer Koalition, die in Rekordzeit an sich selbst auseinanderbricht, hätte sich keine der drei beteiligten Parteien einen Gefallen getan. Dem Land auch nicht. Höchstens der Gesellschaft für deutsche Sprache, die nicht lange nach dem Wort des Jahres 2014 suchen müsste: KurKo, kurze Koalition.

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