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Börsen-Zeitung: Die Erholung bleibt gefährdet, Kommentar von Reinhard Kuls zum Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung

Frankfurt (ots)

Solche Zahlen liest man gern: Um fast 1% ist die
Wirtschaftsleistung in Deutschland und der gesamten Eurozone von 
April bis Juni nach oben geschnellt. Hielte dieses Wachstumstempo das
ganze Jahr über an, man müsste Angst vor einer Überhitzung haben. 
Aber diese unerwartet große Expansion ist zum Teil Einflüssen 
geschuldet, die nicht von Dauer sein werden. Gerade mit Blick auf die
Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts ist an erster Stelle 
das Wetter zu nennen und an zweiter die Fußballweltmeisterschaft - 
Letztere war aber ein Einmaleffekt.
Der harte Winter hatte zunächst zu Produktionspausen auf den 
Baustellen gezwungen. Die Ausfälle wurden dann alle im zweiten 
Quartal wieder hereingeholt - ja, es ging wohl sogar noch darüber 
hinaus. Und das lässt durchaus für den weiteren wirtschaftlichen 
Verlauf hoffen. Es ist Beweis dafür, welch kräftiger Konjunkturmotor 
die Investitionen inzwischen geworden sind. Und dies ist auch ganz 
notwendig, soll das Wachstum in Deutschland nicht abreißen, da der 
Export an gesamtwirtschaftlicher Zugkraft offenbar eingebüßt hat.
Soll aber die Binnennachfrage nicht nur auf den Investitionen 
ruhen, sondern auch auf deren zweitem Pfeiler, dem Konsum, muss die 
Bundesregierung ihre Pläne zur Erhöhung der Mehrwertsteuer ernsthaft 
überdenken. Denn ansonsten wird die sich in den Statistiken so 
langsam abzeichnende Belebung am deutschen Arbeitsmarkt den privaten 
Konsum nicht nur weniger anregen, als zu erwarten wäre, sondern 
womöglich gar völlig wirkungslos verpuffen.
Fast noch wichtiger an den jetzt veröffentlichten Wachstumszahlen 
sind allerdings die Höherrevisionen für die vorherigen Quartale. So 
passen die Daten nämlich besser zu dem Bild, das die 
Stimmungsindikatoren seit vielen Monaten zeichnen und dem mancher 
nicht so recht trauen wollte. Dies sollte die Glaubwürdigkeit der 
Frühbarometer stärken, zeigt sich in ihnen am aktuellen Rand doch 
bereits wieder eine leichte Abkühlung. Sollte das Vertrauen der 
Unternehmen aber angesichts der drohenden Mehrwertsteuererhöhung, 
unzureichender oder schon im Ansatz völlig missratener Reformen etwa 
der Unternehmensbesteuerung oder im Gesundheitswesen weiteren Schaden
erleiden, werden die Investitionen abbrechen - und die Erholung am 
Arbeitsmarkt wäre schnell und nachhaltig beendet. Der Aufschwung 
auch.
(Börsen-Zeitung, 15.8.2006)

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