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Börsen-Zeitung: Atmosphärische Störungen, Kommentar zu Daimler von Isabel Gomez

Frankfurt (ots) - In der Regel ist der Kuschelfaktor im Verhältnis zwischen Automobilherstellern und ihrer Lobby, dem Verband der Automobilindustrie VDA, groß. In Berlin erhält die Branche vom VDA Rückendeckung, selbst im Abgasskandal und der folgenden Dieseldiskussion zog VDA-Präsident Matthias Wissmann seine schützende Hand über der Branche nie ganz zurück. Zum angeblichen Kartell zwischen den Herstellern äußerte sich Wissmann nun aber gar nicht nach dem Geschmack Daimlers.

"Ich war überrascht über diese Stellungnahme und möchte derzeit nicht mehr dazu sagen", brummte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch bei der Zahlenvorlage hörbar gereizt in die Telefonkonferenz. Er bezog sich auf Wissmanns Forderung nach einer "Null-Fehler-Toleranz für Compliance" in der Branche. Dabei hatte der Verband kaum eine andere Wahl, als sich relativ hart zum Kartellverdacht zu äußern. Alles andere wäre ihm als Hilfestellung zum vermeintlichen Betrug um die Ohren geflogen.

Auch zwischen BMW und Daimler, die eine Einkaufsallianz bilden und gemeinsam mit Audi den Kartendienst Here übernommen haben, gibt es atmosphärische Störungen. BMW zumindest prüft sämtliche bestehenden und geplanten Kooperationen mit den Stuttgartern.

Dabei ist Daimler zum einen auf politische Flankierung und zum anderen auf die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern dringend angewiesen. Das betrifft Industriestandards für neue Technologien, etwa Stecker von Ladesäulen für E-Autos, aber auch den Aufbau neuer Geschäftsmodelle oder Plattformen. Autonomes Fahren wird es nur dann geben, wenn es dafür politische Rahmenbedingungen gibt, die etwa Haftungsfragen rechtlich abdecken.

Die Kartellberichte führten für die Daimler-Aktie in den vergangenen Tagen zu einem Minus von gut 5%. Dabei sind die Papiere aller Hersteller angesichts des Wandels zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren ohnehin unter Druck. Die Daimler-Aktie verlor seit Jahresbeginn 15%. Analysten und Aktionäre sehen die Gefahr, dass branchenfremde Konzerne neue Mobilitätsformen schneller umsetzen als etablierte Hersteller. Es gilt als Konsens, dass dies nur durch einen gemeinsamen Kraftakt der Autobranche verhindert werden kann. Nun scheinen der Ärger über die Kartellberichte, die Frage, wer sich selbst wann angezeigt hat, und die damit einhergehenden Beziehungskrisen diese bereits eingeschlagene Entwicklung zu bremsen. Sollte sie zum Stillstand kommen, wäre das für die Zukunft fatal. Nicht nur für Daimler.

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