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Börsen-Zeitung: Gute und schlechte Zeiten, Kommentar zur Fondsbranche von Jan Schrader

Frankfurt (ots) - Über viele Jahre schon stehen Fondsgesellschaften auf der Gewinnerseite in der Finanzbranche: Während die Zinsen immer tiefer und tiefer fielen, sanken die Ertragsaussichten der Banken ebenso wie die Perspektiven etablierter Sparprodukte wie Lebensversicherungen und Bausparverträge. Die Aktienmärkte legten derweil kräftig zu und beflügelten damit auch das Geschäft mit Investmentfonds. An einen stetig wachsenden Absatz, der im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreichte, hatten sich die hiesigen Gesellschaften fast schon gewöhnt, blieben neben Aktien und Fonds doch kaum noch Alternativen in der Geldanlage übrig. Im laufenden Jahr hat das unruhige Geschehen an den Börsen aber viele Anleger verunsichert. Gerade das Neugeschäft mit Publikumsfonds hat sich eingetrübt.

Drohen nach langer, guter Phase nun vermehrt schlechte Zeiten? Weil die Zinsen nicht viel weiter sinken können und einer lang anhaltenden Rally bei bereits hoch bewerteten Aktien Grenzen gesetzt sind, werden das Fondsmanagement und der Vertrieb schwieriger. Regulierungsvorhaben wie Mifid II und Priips, der Preisdruck durch die zunehmende Verbreitung von ETF sowie die Digitalisierung machen das Geschäft bekanntlich auch nicht gerade leichter.

Wenn die Branche zusammentrifft wie am heutigen Mittwoch am zweiten Tag der Investmentfondstage der Börsen-Zeitung, sollte sie sich daher auf ihre Stärken und auch Kernaufgaben besinnen. Die niedrigen Zinsen haben weitgehend sichere Renten wie Staatsanleihen und solide Unternehmensanleihen um ihre Renditeperspektive beraubt, also bleibt die Suche nach Anlagealternativen weiter das bestimmende Motiv in der Geldanlage. Private Anleger reagieren noch immer nervös auf unruhige Börsen, daher sollten die Gesellschaften weiterhin Vertriebspartner bei der Wertpapierberatung unterstützen. Darüber hinaus muss die Branche darauf achten, trotz ausgedünnter Filialnetze der Banken weiterhin den Weg zum Anleger zu finden. Digitale Vertriebskanäle sollte sie da als Chance statt als Bedrohung wahrnehmen.

Bei weiter unruhigen Märkten wird sich der ein oder andere Anleger trotzdem fragen, wozu Investmentfonds noch gut sind. Doch eine schwache Wertpapierkultur macht die Fondsbranche nicht überflüssig, im Gegenteil: Möglichst viele Sparer an den Chancen von Wertpapieren teilhaben zu lassen, das ist und bleibt die gesellschaftliche Aufgabe der Fondsbranche. Überzeugungsarbeit ist wichtig, gerade in schlechten Zeiten.

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