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Börsen-Zeitung: Vier Monate und vier Tage, Kommentar zu Bayer von Annette Becker

Frankfurt (ots) - Jetzt ist es amtlich: Für Bayer-Chef Werner Baumann dauert ein Marathon vier Monate und vier Tage. Denn der Übernahmepoker um den weltgrößten Saatguthersteller Monsanto, so hatte sich Baumann Ende Mai vernehmen lassen, werde eher ein Marathon denn ein Sprint. Und recht sollte der erst seit Mai an der Spitze des Leverkusener Traditionskonzerns stehende Manager behalten.

Für die 66 Mrd. Dollar schwere Übernahme bedurfte es aber weitaus mehr als Zeit. So musste Bayer beim Angebot immerhin viermal nachbessern, um den Board von Monsanto zur Einwilligung in eine freundliche Übernahme zu bewegen. Am Ende liegt ein Angebot von 128 Dollar je Aktie auf dem Tisch, entsprechend einer Prämie von 44 Prozent auf den unbeeinflussten Kurs vom 9. Mai.

Jetzt ließe sich sagen, dass Bayer aber auch einen guten Zeitpunkt für den Angriff gewählt hat, war der Monsanto-Kurs nach dem gescheiterten Übernahmeversuch von Syngenta im vergangenen Herbst doch drastisch eingebrochen. Ein viel gebräuchlicherer Maßstab ist dagegen das Vielfache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das Bayer zu zahlen bereit ist. Zieht man das Ebitda der zwölf Monate zum 31. Mai heran, ergibt sich ein stattliches Multiple von 18,6. Chemchina zahlt für Syngenta dagegen "nur" ein Ebitda-Multiple von 16,6.

Gleichwohl zeigten sich die Aktionäre von Bayer erleichtert. So zumindest lässt sich der gestrige Kursanstieg um 0,3 Prozent werten. Das gilt umso mehr, als die Ankündigung des Übernahmevorhabens im Mai eine gänzlich andere Reaktion ausgelöst hatte. Binnen weniger Tag löste sich damals eine Marktkapitalisierung von 10 Mrd. Euro in Luft auf. Inzwischen ist Bayer fast wieder auf dem Ausgangsniveau angekommen.

Das ist insofern bedeutend, als Bayer ein Drittel des Übernahmepreises (ohne Schulden), also 19 Mrd. Dollar, mit frischem Eigenkapital finanzieren will. Grob gerechnet sind dafür - basierend auf dem aktuellen Kursniveau - 180 Millionen neue Aktien bzw. knapp 22 Prozent des Grundkapitals erforderlich, die teils im Wege einer Kapitalerhöhung, teils über die Emission von Pflichtwandelanleihen auf den Markt kommen.

Wenngleich die Transaktion allein aufgrund ihrer schieren Größe - es ist nicht nur die größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen je in Angriff nahm, sondern auch die größte Barofferte aller Zeiten - als riskant anzusehen ist, schränkt Bayer so zumindest bei der Finanzierung den Risikoappetit ein.

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