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Börsen-Zeitung: Korrektur in Sicht, Kommentar zum Aktienmarkt von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Wer hätte das gedacht? Kurz vor dem britischen Brexit-Votum waren viele Analysten davon ausgegangen, dass eine Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union die Kapitalmärkte schwer in Mitleidenschaft ziehen würde. Nun jedoch erreicht der Dax mit 10701 Punkten ein Jahreshoch. Alle Ängste, die es vorher gegeben hat, sind wie weggeblasen.

Zumindest auf den ersten Blick erscheint die Hausse, die den Dax seit dem ersten Schrecken unmittelbar nach dem Brexit-Votum um mehr als 1400 Indexpunkte nach oben getrieben hat, nicht einmal übertrieben. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate von 12,3 für den Dax befindet sich der Markt in der Mitte der Spanne der Bewertungen der vergangenen fünf Jahre. US-Indizes sind dagegen deutlich anspruchsvoller bewertet.

Zudem liefert die Charttechnik positive Signale. So ist es dem Dax gelungen, aus dem seit dem Frühjahr bestehenden Abwärtstrendkanal auszubrechen. Ferner sorgen die aktuellen Rekordstände an der Wall Street für gute Stimmung. Von einem Allzeithoch ist der Dax, dessen Rekord bei 12391 Punkten steht, noch weit entfernt.

Daraus zu schließen, dass die Rally munter weitergeht, wäre allerdings voreilig. Es gibt eine Reihe von Warnzeichen, die den Verdacht nahelegen, dass es bald zu einer Korrektur kommen könnte. So sind beispielsweise die Volumina am Aktienmarkt auch für eine Ferienzeit auffällig niedrig. Außerdem verweisen die Analysten der Commerzbank darauf, dass die sich derzeit weiter abflachenden Zinsstrukturkurven die Aussichten für die globalen Aktienmärkte eintrüben. In den vergangenen Dekaden habe sich eine Abflachung der Renditekurve stets als eine Gefahr für den Dax erwiesen.

Nicht übersehen werden sollte auch, dass sich der September stets als der schwächste Börsenmonat erwiesen hat. Da braucht es schon neue Impulse, um die Anleger aus der Lethargie zu wecken. Derartige Impulse sind aber nicht in Sicht, zumal beispielsweise die Analysten der DZ Bank warnen, dass die aktuelle Konsensschätzung für das durchschnittliche Gewinnwachstum der Dax-Werte im kommenden Jahr von 12% angesichts der mauen Konjunkturentwicklung geradezu utopisch ist.

Angesichts von Risiken wie der aufziehenden neuen Bankenkrise und der anhaltenden Unsicherheit wegen der wirklichen Folgen des Brexit ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Rally in eine Korrektur mündet.

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