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Börsen-Zeitung: Warten auf die Investoren, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Im Rahmen der aktuellen Rohstoffhausse haben sich die Industriemetalle im laufenden Jahr recht ordentlich entwickelt. So ist der Zinkpreis seit Jahresanfang um 41% gestiegen, Zinn verzeichnete ein Plus von 25% und Nickel von 21%. Aluminium ist um 8% teurer als Anfang Januar. Eine Ausnahme ist allerdings der Kupferpreis, der aktuell lediglich um 3% über dem Niveau von Jahresanfang steht.

Die Preisanstiege insbesondere bei Zink, Zinn und Nickel sind bemerkenswert, fanden sie doch in einem Umfeld nur sehr verhaltener konjunktureller Dynamik statt. In diesem Umfeld waren es vor allem Sondereinflüsse sowie Entwicklungen auf der Angebotsseite, die die teilweise sehr ausgeprägten Preisanstiege verursacht haben. Am klarsten ist dies bei Nickel zu erkennen. Hier ist es der Regierungswechsel auf den Philippinen, der den Markt stark beeinflusst hat. Marktteilnehmer sprechen von einer Schocktherapie des neuen Präsidenten Rodrigo Duterte, der sich nicht nur die Drogendealer, sondern auch die Minenindustrie des Landes vorgenommen hat. Diese hatte in der Vergangenheit die Umweltgesetze des Landes nicht besonders ernst genommen und einige spektakuläre Umweltkatastrophen verursacht. Nun hat das zuständige Ministerium eine Untersuchung der Zustände in den Minen durchgeführt und als Ergebnis bereits sechs der insgesamt 27 Nickelminen des Landes geschlossen. Dadurch sind 8% der Nickelproduktion der Philippinen vorerst ausgefallen. Die vorläufige Schließung einer siebten Mine ist bereits angekündigt worden.

Kirche gegen die Minen

Dies ist insofern von Bedeutung, weil die Philippinen der wichtigste Lieferant von Nickelkonzentrat für die chinesische Volkswirtschaft sind. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Kampagne der Regierung gegen die Minenbetreiber schon abgeschlossen ist, zumal wichtige gesellschaftliche Gruppen wie die katholische Kirche den Minenbetreibern gegenüber sehr kritisch eingestellt sind. Die Rohstoffanalysten von Unicredit gehen zudem davon aus, dass sich die fundamentale Lage bei Nickel weiter aufhellt und die jüngste Kaufdynamik auch die technische Marktsituation verbessert hat. Ihrer Meinung nach ist Spielraum für einen schnelleren Anstieg des Nickelpreises vorhanden.

Im Bereich der Industriemetalle hat im bisherigen Jahresverlauf Zink den Vogel abgeschossen. Jüngst wurde ein 15-Monats-Hoch erreicht. Nach Berechnungen der international Lead and Zinc Study Group gab es in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ein Defizit von 68700 Tonnen, verglichen mit einem Angebotsüberschuss von 177000 Tonnen im gesamten Vorjahr. Grund dafür ist eine ganze Reihe von Produktionsunterbrechungen in wichtigen Minen.

Bei Aluminium werden ebenfalls Chancen gesehen, vor allem weil die Bestände in den Lagerhäusern der London Metal Exchange (LME) auf ein Mehrjahrestief gefallen sind. Am Markt heißt es, dass dies zu einer Phase von Engpässen führen könnte, insbesondere dann, wenn spekulative Adressen ihre Short-Positionen ausgleichen müssen.

Zweifel an Nachhaltigkeit

Die Entwicklung des Kupferpreises hat bislang auf Jahressicht enttäuscht, die Notierungen haben sich aber gegenüber den Tiefständen von Mitte Juni bereits um rund 10% erholt. Analysten sind jedoch skeptisch, was die Nachhaltigkeit der Rally betrifft. So verweisen die Experten von Barclays darauf, dass die zwei letzten Ansätze zu einer Rally scheiterten. Nach wie vor ist der Kupferpreis um rund 8% niedriger als vor einem Jahr. Zudem ist die Kupfernachfrage weiterhin gedrückt.

Grundsätzlich könnten sich - auch bei Kupfer - Chancen dadurch ergeben, dass Finanzinvestoren in die Basismetalle zurückkehren, die angesichts der bisherigen Preisanstiege vor dem Hintergrund des anhaltenden Anlagenotstands zunehmend attraktiv erscheinen. Nach Erhebungen von Barclays haben Finanzinvestoren in Basismetalle momentan gerade einmal 16 Mrd. Dollar investiert. Zum Vergleich: Bei den Edelmetallen sind es satte 128 Mrd. Dollar und im Energiebereich 56 Mrd. Dollar. Immerhin hat gegenüber dem Stand des vergangenen Jahres eine leichte Belebung des Interesses von Finanzinvestoren stattgefunden, denn 2015 waren im Jahresdurchschnitt lediglich 12 Mrd. Dollar investiert. Im Jahr 2012 waren es aber noch 32 Mrd. Euro gewesen. Sollte es in der Tat, wie von so manchem Marktbeobachter erwartet, zu einer umfassenderen Rückkehr der Finanzinvestoren kommen, wäre die Rally in dem Sektor wohl abgesichert.

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